Dienstag, 6. Jänner 2004

Blutige Demo - Schüsse auf irakische Ex-Soldaten

  • Zwei Franzosen in US-Diensten in Falluja erschossen

In der südirakischen Stadt Basra hat die Polizei am 6. Jänner das Feuer auf protestierende Ex-Soldaten der irakischen Armee eröffnet. Dabei wurde ein Mann erschossen, mindestens drei weitere erlitten Verletzungen. Die Demonstranten forderten die Überweisung der ihnen von den Besatzungsmächten zugesagten monatlichen Ausgleichszahlung in Höhe von 50 US-Dollar.

Sie wollten eine Bankniederlassung in ihre Gewalt bringen. Britische Panzer bezogen Stellung vor den Banken. In Basra und Umgebung sind derzeit rund 10.000 britische Soldaten stationiert.

Ein Sprecher der britischen Armee bestätigte die Demonstration in Basra. Über Schüsse lägen ihm jedoch keine Informationen vor.

Im Mai hatte US-Zivilgouverneur Paul Bremer die 400.000 Mann starke irakische Armee aufgelöst. Derzeit bauen die USA eine 40.000 Mann umfassende neue Armee auf. In der Tadji-Kaserne, 15 Kilometer nördlich von Bagdad, nahmen US-Befehlshaber Ricardo Sanchez und mehrere Regierungsratsmitglieder am Dienstag an einer Feierstunde für die 697 Soldaten des zweiten Bataillons der neuen irakischen Armee teil, die ihr Training abgeschlossen hatten.

Ein Mitglied des von den USA eingesetzten Regierungsrates hat das Vorgehen von US-Soldaten bei Razzien im Irak scharf kritisiert. "Tausende werden an verschiedenen Orten im ganzen Land gefangen gehalten", sagte Mohsen Abdelhamid, der die sunnitische Islamische Partei in dem Gremium vertritt, dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera. Der Regierungsrat habe die Offiziere der Koalitionstruppen und US-Zivilgouverneur Paul Bremer bereits mehrfach über diese Missstände informiert, allerdings ohne greifbare Ergebnisse zu erzielen.

Franzosen in US-Diensten getötet
In Falluja sind zwei Franzosen erschossen und ein dritter französischer Bürger verletzt worden. Es handelte sich um Mitarbeiter von US-Unternehmen, die am Wiederaufbau der öffentlichen Infrastruktur im Irak beteiligt gewesen waren.

Die Franzosen waren am Montagabend in einem Wagenkonvoi unterwegs, als sie wegen einer Panne am Straßenrand anhalten mussten. Daraufhin wurden sie aus einem vorbeifahrenden Wagen von Unbekannten unter Beschuss genommen.

Die kurdische Zeitung "Al Takhi", das Sprachrohr der Kurdenpartei KDP von Massud Barzani, berichtete, US-Truppen hätten 110 Familien, die zu den Anhängern Saddam Husseins gehörten, aufgefordert, ein mehrheitlich von Turkmenen bewohntes Dorf in der Nähe von Kirkuk innerhalb von zwei Wochen zu verlassen. Saddam Hussein hatte einst arabische Familien in den vorwiegend von Kurden und Turkmenen bewohnten Gebieten im Nordirak angesiedelt.

Das US-Zentralkommando gab bekannt, am vergangenen Wochenende hätten amerikanische Soldaten in der Umgebung der beiden nördlich von Bagdad gelegenen Ortschaften Balad und Mastul bei Razzien und Patrouillen insgesamt drei Verdächtige erschossen.
(apa, red)

6.1.2004 15:52