Automesse Detroit: Die Branche hofft auf eine Trendwende
- 3. - 19. Jänner: Modell-Offensive soll Rabattschlacht stoppen
- Deutsche Hersteller wollen Gas geben.

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Gebannt blicken die europäischen Autobauer über den großen Teich. Angesichts flauer Absätze in Europa und vor allem in Deutschland ist der amerikanische Markt für VW, DaimlerChrysler, BMW und Co. wichtiger denn je. Nach drei miserablen Jahren soll 2004 die Trendwende bringen. Wenn sich die Hersteller ab Sonntag für zwei Wochen bei der Autoshow in Detroit treffen, herrscht also Aufbruchsstimmung.
Nach leichtem Rückenwind im Vorjahr wollen die deutschen Hersteller in den USA nun Gas geben, gab der Verband der Automobilindustrie (VDA) die Order aus. Bis November konnten sich die Hersteller zwischen Hannover und München trotz rückläufiger Verkaufszahlen in Übersee einen Rekord-Marktanteil von 10,5 Prozent sichern. Bei General Motors (GM), Ford und Chrysler werden sie sich damit wenig Freunde gemacht haben: Ging doch ihr Zuwachs voll zu Lasten der Amerikaner.
Die verspüren ihrerseits den seit Jahren steigenden Druck der Japaner. "Sie sind in der Lage, schnell das richtige Produkt auf den Markt zu bringen und haben frühzeitig Produktionsmethoden entwickelt, die es ihnen ermöglichen, sich rechtzeitig auf veränderte Kundenwünsche einzustellen", fasst Hans-Dieter Krauss, Automobilexperte bei der Unternehmensberatung KPMG, die Stärken von Toyota, Nissan, Mitsubishi und Co. zusammen. Im Rennen um die künftigen Marktanteile sieht KPMG die asiatischen Hersteller klar an der Spitze.
So wird die Autoshow auch in diesem Jahr ein Kräftemessen zwischen den Herstellern in den USA, Europa und Japan. Die "Großen Drei" der USA - GM, Ford und Chrysler - setzen erneut auf Größe und Leistung. Neben dem anhaltenden Trend zu geländegängigen Allradfahrzeugen wollen sie mit sportlich aufgepeppten Klassikern punkten: Ford präsentiert den Nachfolger des legendären GT 40 aus den 60er Jahren und den neuen Mustang. GM schickt gleich sechs neue Wagen ins Rennen, einschließlich der Corvette in der sechsten Generation. Chrysler hat neben PT Cruiser Cabrio und Chrysler 300C auch einige Konzeptstudien im Gepäck.
Die Japaner kommen zwar ohne neue Autos, aber nicht mit leeren Händen nach Detroit: Alternative Antriebe wie die Hybridtechnik stehen etwa bei Toyota und Mitsubishi im Focus. Nissan will mit innovativen Studien für Aufsehen sorgen.
Auch die Deutschen wollen mit neuen Modellen eine gute Figur abgeben. Erstmals wird der sechssitzige Grand Sports Tourer (GST) von Mercedes-Benz - eine Mischung aus Reiselimousine, Kombi und Van - enthüllt, der ab 2005 vom Band rollen soll. Zudem dürfen die Amerikaner einen Blick auf den SLR McLaren werfen, der bereits auf der IAA in Frankfurt für Furore sorgte. BMW stellt sein neues 6er Cabrio vor und Volkswagen will den Amerikanern die Luxusversion des Phaeton schmackhaft machen, deren Interessenten sich in Europa immer noch an wenigen Händen abzählen lassen.
Insgesamt 80 neue Wagen sind auch ein willkommener Anlass, die fast ruinöse Rabattschlacht einzudämmen. "Neue Modelle werden helfen, die Verbraucher von den Rabatten zu entwöhnen", glaubt Ford-Chef Bill Ford. Einer Studie des Marktforschungsinstituts CNW Marketing Research zufolge machten die Nachlässe in den USA zuletzt 13 Prozent des Neuwagenpreises aus. Bis November legten die Autobauer geschätzte 56 Mrd. Dollar (44,5 Mrd. Euro) Rabatte auf den Tisch, den Großteil davon die Amerikaner. GM und Chrysler verdienten 2003 daher laut CNW an jedem Auto weniger als 250 Dollar - fünf bis neun Mal weniger als Toyota, Nissan oder Honda. Dennoch sanken ihre Marktanteile, während die asiatischen Hersteller zulegten.
Das soll sich nach dem Willen der Amerikaner in diesem Jahr ändern. Da selbst Toyota kein neues Modell ins Rennen schicken will, bestehe die Chance, "denen ein Paar Marktanteile abspenstig zu machen", sagt CNW-Präsident Art Spinella. Die Konjunktur ist auf der Seite der Autobauer: Die Ratingagentur Standard & Poor's schätzt, dass das Gesamtvolumen des US-Marktes in diesem Jahr auf 17,1 Mio. Fahrzeuge anwachsen wird, nach 16,5 Mio. im vergangenen Jahr.
(apa, red)
