Freitag, 2. Jänner 2004

Nach Iran-Erdbeben: "Großer Satan" USA wird kleiner

  • Entspannung der Beziehungen, Bush stellt aber Forderungen
  • PLUS: Die BILDER aus dem Katastrophengebiet rund um Bam!

Traurig, aber wahr: Zehntausende Menschen mussten sterben, bis sich die unterkühlten Beziehungen zwischen den USA und dem Iran nun langsam zu entspannen scheinen. Im Zuge der Aufräumarbeiten nach dem großen Beben von Bam lächeln sich immer öfter Amerikaner und Iraner zu, auch auf politischer Ebene wurden Sanktionen ausgesetzt (siehe auch Kasten rechts). US-Präsident George W. Bush stellt dennoch neue Forderungen an das Theheraner Mullah-Regimne.

Bush hat eine Verbesserung der Beziehungen zum Iran von politischen Zugeständnissen abhängig gemacht. Am Neujahrstag machte Bush deutlich, dass er bei aller Unterstützung für die Erdbebenopfer an seiner Kritik an Teheran festhält. Der Iran müsse inhaftierte Mitglieder des Terrornetzwerks El Kaida ausliefern, sein Atomprogramm aufgeben und das Land demokratisieren, forderte Bush. Der US-Präsident begrüßte, dass Teheran die US-Hilfe für das Erdbebengebiet akzeptierte. "Wir zeigen den Iranern, dass das amerikanische Volk Anteil nimmt, dass wir großes Mitleid für menschliches Leid haben", sagte Bush im Texas. Zudem betonte er seine Unterstütztung für die Demokratiebewegung.

Neue Freundschaften in Bam
Ein iranischer Revolutionswächter steht derweil neben einem US-Arzt in Bam und schaut auf die Fahne auf dessen Ärmel. "You okay?", fragt der Amerikaner. "Okay", sagt der Iraner und lächelt zurück. Zur Elite der Streitmacht im Gottesstaat Iran gehören die Revolutionswächter. Ein Vierteljahrhundert lang hat Teheran die Amerikaner verdammt. Nun lächeln sich Iraner und US-Bürger in den Trümmern im Erdbebengebiet im Südosten des Landes an.

Politisches Tauwetter
Und zeichnet sich auch politisch ein Tauwetter in den Beziehungen ab? Die amerikanische Hilfe solle nicht politisiert werden, heißt es aus Teheran und Washington. Die USA fordern vom Iran weiter die Auslieferung von Al-Kaida-Gefangenen und die Einstellung des Atomprogramms. Teheran lehnt beides nach wie vor ab. Die USA sollten, so ist aus dem Iran zu hören, ihre Sanktionen aufheben und aufhören, dem Land Terrorismus und die Produktion von Massenvernichtungswaffen zu unterstellen. Vorher, so Staatspräsident Mohammad Chatami, werde sich wenig an den fast 25-jährigen Feindseligkeiten ändern.

Doch Chatamis Vorgänger, Ali Akbar Haschemi-Rafsandschani, sieht schon etwas Positives in den Signalen aus den USA. Sie müssten zumindest analysiert werden, meint der politisch immer noch einflussreiche Rafsandschani. Auch in der obersten politischen Etage in Teheran herrscht Freude über die jüngste Lockerung der amerikanischen Sanktionen zur Erleichterung der Hilfe für die Erdbebenopfer. "Das begrüßen wir", sagt Außenminister Kamal Charrasi.

"Amerikaner machen hier, was wir tun sollten"
"Zitieren Sie mich nicht, aber was der Koran (Heilige Buch des Islams) von uns Moslems erwartet, tun sie (die Amerikaner) hier", sagt ein Geistlicher in Bam. Die Amerikaner haben in Bam vier Zelte aufgebaut: eins für schwerste Operationen, sowie eine Männer-, Frauen- und Kinderabteilung. Und sie respektieren, dass Frauen sich hier nicht gerne von Männern behandeln lassen und umgekehrt.

"In dieser Katastrophe haben uns sogar unsere schlimmsten Feinde geholfen", gab auch Rafsandschani zu. "Wir danken den Amerikanern für ihre großartige humanitäre Hilfe," fügte Chatami hinzu. (APA/red)

2.1.2004 16:26