Donnerstag, 1. Jänner 2004

Haitis Unabhängigkeitsfeiern: Überschattet von Protest

Überschattet von Protesten gegen Präsident Jean Bertrand Aristide hat Haiti am Donnerstag den 200. Jahrestag seiner Unabhängigkeit begangen. Als prominentester Staatsgast rief Südafrikas Präsident Thabo Mbeki bei den Feiern in Port-au-Prince zum Zusammenhalt aller Afrikaner und ihrer Nachfahren auf dem amerikanischen Kontinent auf.

Gleichzeitig forderten tausende von Demonstranten den Rücktritt von Aristide. Ein massives Polizeiaufgebot verhinderte, dass sie bis zum Regierungspalast gelangen konnten. Nach noch unbestätigten Berichten wurde mindestens ein Demonstrant durch Schüsse verletzt.

Aus der Stadt Gonaives, rund 160 Kilometer nördlich von Port-au- Prince, wurden am Donnerstag schwere Ausschreitungen gemeldet. Dort war am 1. Jänner 1804 die Unabhängigkeit ausgerufen worden. Aristide hatte angekündigt, per Hubschrauber dorthin fliegen zu wollen. Die militante "Anti-Aristide-Front" hatte mehrfach gedroht, die Feiern in Gonaives zu verhindern, und alle ausländischen Gäste davor gewarnt, die Stadt zu betreten. Um Mbekis Sicherheit zu garantieren, war in der vorigen Woche ein südafrikanisches Marineschiff mit zwei Hubschraubern an Bord in Port-au-Prince eingelaufen.

Mit ihrer 200-jährigen Geschichte ist Haiti die nach den USA älteste Nation des amerikanischen Kontinentes. Der Unabhängigkeit vorausgegangen war ein blutiger Freiheitskampf der aus Afrika in die Karibik verschleppten schwarzen Sklaven gegen ihre französischen Kolonialherren. "Die Unabhängigkeit Haitis ist bedeutsam für die Freiheit aller Schwarzen", verkündete Aristide.

Die Opposition in Haiti fordert seit langem den Rücktritt des Präsidenten, dem sie Korruption und Machtmissbrauch vorwirft. Im Dezember hatten sich die Proteste zugespitzt.
(apa)

1.1.2004 19:05