Parmalat - Inhaftierte Manager in Mailand vernommen
- Staatsanwälte wollen Informationen über geheime Bankkonten
- Ärzte überprüfen Gesundheitszustand des Firmengründers Tanzi
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In der Mailänder Strafanstalt San Vittore hat am 2.1. um 8 Uhr früh die Vernehmung der Manager des insolventen italienischen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat begonnen, die am Mittwoch festgenommen worden sind. Die Manager, darunter die Ex-Finanzchefs Fausto Tonna und Luciano Del Soldato sowie die Buchhalter Claudio Pessina und Gianfranco Bocchi, werden des betrügerischen Bankrotts und der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung beschuldigt.
Ihnen wird auch vorgeworfen, belastende Dokumente über den Parmalat-Skandal vernichtet zu haben.
Die Rechtsanwälte der Manager protestierten wegen der Festnahme ihrer Mandanten. "Die Staatsanwälte haben Personen verhaftet, die ohnehin bereits mit den Justizbehörden zusammenarbeiteten", sagte Savatore Pino, Rechtsanwalt von Pessina und Bocchi.
Ex-Finanzchef Tonna, der mit dem am Samstag verhafteten Firmengründer Calisto Tanzi als Drahtzieher des enormen Skandals gilt, gab zu, dass Parmalat seit Jahren seine Bilanzen fälschte, um die Umsatzziele zu erreichen, die Tanzi angab. Das Resultat war, dass Italiens siebtgrößte Privatgruppe als kerngesundes Unternehmen galt, obwohl immer größere Finanzlöcher aufgerissen wurden, berichteten italienische Medien am Freitag.
Die Ermittler gehen davon aus, dass im Jahr 2003 zwischen 8 und 10 Millionen Euro auf zwei amerikanische Bankkonten und in die Taschen Tanzis und seiner Vertrauensmännern gelandet seien. Die mit der Untersuchung beauftragten Staatsanwaltschaften von Parma und Mailand überprüfen auch die Verbindung Parmalats mit einer Reihe von Banken.
Nicht ausgeschlossen ist, dass Funktionäre des US-Geldhauses Bank of America undurchsichtige Kontakte mit Tanzi pflegten.
In dieser schwierigen Lage wurde der 65-jährige Großunternehmer am Freitag von den Ärzten des Mailänder Gerichts untersucht. Die Rechtsanwälte Tanzis hatten Antrag auf Hausarrest wegen des angeblich angeschlagenen Gesundheitszustands ihres Mandanten eingereicht, der an Herzbeschwerden leidet. Das Gericht nimmt sich bis kommende Woche Zeit, um den Antrag zu überprüfen.
Parmalat ist in Österreich mit einer Sperrminorität am niederösterreichischen Molkereikonzern NÖM beteiligt. (apa)
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