Parmalat-Skandal: Gründer Tanzi veruntreute 500 Mio. Euro
- Tanzi: "Ich hatte das Recht dieses Geld zu nehmen, schließlich bin ich der Chef"
- Schulden des Konzerns sollen bis zu 13 Mrd. Euro betragen!
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Ende 2002 schon 8,2 Milliarden €
Parmalat-Gründer Calisto Tanzi hat gestanden! Der italienische Mega-Pleitier gab nach Angaben eines seiner Verteidiger im Verhör zu, 500 Millionen Euro veruntreut zu haben. Aus Justizkreisen verlautete zudem, dass sich Tanzi auch in puncto Bilanzfälschungen geständig zeigte. Unterdessen wurde bekannt, dass die Schulden des italienischen Lebensmittelkonzerns offenbar höher sind als vom Unternehmen selbst ausgewiesen. Im Haftbefehl gegen Tanzi, dessen Kopie am Montag Reuters vorlag, werden die Schulden des Konzerns auf zehn bis 13 Milliarden Euro beziffert.
Die Bilanzlücke des insolventen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat liegt nach den Worten des inhaftierten Firmengründers Calisto Tanzi bei etwa acht Milliarden Euro.
Die mit der Untersuchung um die Parmalat-Pleite beauftragten Ermittler vermuten, dass Firmengründer Calisto Tanzi einen Großteil der in den Unternehmenskassen fehlenden Beträge in Ecuador versteckt hat. In den letzten Monaten habe der Großunternehmer aus Parma mehrere Reisen in das lateinamerikanische Land unternommen. Tanzi war aus Ecuador zurückgekehrt, als er am Samstag in Mailand festgenommen wurde.
Tanzi, der sich wegen vermuteter Finanzkriminalität in Untersuchungshaft befindet, wird am Dienstag den dritten Tag in Folge von den Ermittlern vernommen. Am Montagabend hatte er nach mehreren Stunden Vernehmung zugegeben, in den letzten acht Jahren Firmengelder im Umfang von 500 Millionen Euro veruntreut zu haben. Er habe das Geld genommen, um die Schulden der im Tourismusbereich aktiven Parmalat-Tochter Parmatour einzudämmen, berichtete Tanzi.
Hat Tanzi 800 Mio. Euro veruntreut?
"Ich hatte das Recht dieses Geld zu nehmen, schließlich bin ich der Chef der Gruppe, alles fällt letztendlich auf mich zurück", wurde Tanzi von italienischen Medien am Dienstag zitiert. Die Staatsanwaltschaft von Mailand geht jedoch davon aus, dass Tanzi mindestens 800 Millionen Euro veruntreut hat. Tanzi machte seine Manager für das Loch in den Firmenkassen verantwortlich, das die Ermittler auf 13 Milliarden Euro schätzen. "Meine Manager hatten bei mir freie Hand", berichtete der Großunternehmer, Mehrheitsaktionär von Italiens siebentgrößter Privatgruppe. Ermittlungen laufen auch gegen 20 enge Mitarbeiter Tanzis.
Tanzi: "Wozu hat man mich verhaftet?"
Der Unternehmer bestritt, dass er Schwarzgeld angesammelt habe. Er dementierte außerdem, eine Flucht ins Ausland geplant zu haben. "Wozu hat man mich verhaftet? Ich hätte ohnehin am Dienstag um ein Treffen mit den Ermittlern gebeten", sagte Tanzi. Die Ermittler hatten vor Weihnachten befürchtet, dass der Unternehmer in Lateinamerika untertauchen wollte.
Die Staatsanwaltschaft beantragte am Montag einen zweiten Haftbefehl gegen Tanzi wegen des Verdachtes auf betrügerischen Bankrott, der im Höchstfall mit zehn Jahren Gefängnis bestraft wird, und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Die Polizei durchsuchte sowohl die Büros von Parmalat wie auch die der Holdinggesellschaft der Tanzi-Familie, La Coloniale. La Coloniale hält knapp über 50 Prozent von Parmalat. Und Parmalat ist an der österreichischen NÖM mit einer Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie beteiligt.
Die ohnehin praktisch wertlosen Parmalat-Aktien werden nach einer Entscheidung der Mailänder Börse bis auf weiteres nicht mehr gehandelt. (APA/Red.)
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