Dienstag, 30. Dezember 2003

Angst vor Silvester-Terror: NY im Sicherheitsfieber

  • Zweithöchste Terrorwarnstufe in den USA
  • Weltweit sind Hundertausende Polizisten im Einsatz

Aus Sorge vor neuen Terroranschlägen gelten weltweit schärfste Sicherheitsvorkehrungen vor den Silvesterfeiern. Wenn an diesem Mittwoch Millionen Menschen das neue Jahr willkommen heißen, sind vor allem in den Metropolen Zehntausende Polizisten und Sicherheitsbeamte im Sondereinsatz. Überall rund um den Globus!

In den USA gilt die zweithöchste Terrorwarnstufe ("Code Orange") nach Angaben des Heimatschutzministers Tom Ridge mindestens bis zum Neujahrstag weiter. Der Grund für die seit einer Woche geltende Maßnahme war ein "erheblicher Anstieg" an "glaubwürdigen Hinweisen" auf mögliche Anschläge.

Besonders in den großen US-Städten wurden die Sicherheitsmaßnahmen stark verschärft. In New York, Los Angeles, San Francisco und Washington patrouillieren schwer bewaffnete Polizisten an Sehenswürdigkeiten, Brücken und in U-Bahnen. Der Luftraum über New York und Las Vegas wird über Silvester vorsorglich für den privaten Flugverkehr gesperrt, wie der TV-Sender CNN am Dienstag unter Berufung auf das Heimatschutzministerium berichtete.

In New York, wo eine halbe Million Menschen zur traditionellen Silvesterfeier auf dem Times Square erwartet werden, soll der Luftraum mit Hubschraubern überwacht werden. Wer dort die sinkende Glaskugel sehen will, muss scharfe Kontrollen in Kauf nehmen und sich auf stundenlange Wartezeiten einrichten - ganz ohne Gepäck, selbst flüssigen Proviant dürfen die Besucher nicht mitbringen. Für die Stadt New York war wenige Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 die zweithöchste Terroralarmstufe "Orange" ausgesprochen und seitdem nicht mehr aufgehoben worden.

Auch in Großbritannien gilt wegen einer vermuteten Terrorgefahr bereits seit längerem eine der höchsten Sicherheitswarnstufen. In London sollen rund 3.000 Polizisten zum Jahreswechsel im Einsatz sein. Etwa 100.000 Menschen werden zu einem Feuerwerk am "London Eye", dem Riesenrad am Themse-Ufer, sowie zu Silvesterfeiern an zentralen Plätzen der Stadt erwartet. Die britische Botschaft in der peruanischen Hauptstadt Lima wurde wegen einer nicht näher erläuterten "Bedrohungslage" vorsorglich bis Silvester geschlossen.

Die Stadt Istanbul sagte aus Furcht vor möglichen Terroranschlägen eine Neujahrsfeier mit Konzerten und einem Feuerwerk auf dem Taksim-Platz im europäischen Zentrum der Millionenstadt ab. Die Entscheidung der Stadtverwaltung ist eine Folge der Selbstmordanschläge islamistischer Terroristen, bei denen im November in Istanbul 62 Menschen getötet und mehr als 750 weitere verletzt worden waren.

Eine kleine Armee von 300.000 Polizisten sorgt in Russland für Sicherheit. Der Rote Platz in Moskau, wo zum Jahreswechsel immer Zehntausende Menschen dem Glockenschlag der Kremluhr lauschen, darf nur nach einer Personenkontrolle mit Metalldetektoren betreten werden. Mehr als 7.000 Polizisten sollen die Plätze im Zentrum der russischen Hauptstadt schützen. Moskau war 2003 mehrfach das Ziel von Bombenanschlägen.

Auch in Italien und Frankreich gilt über Neujahr die erhöhte Alarmbereitschaft weiter. In Rom wurde vor allem die Bewachung des Petersdomes, wo Papst Johannes Paul II. zu Silvester und Neujahr Gottesdienste feiert, deutlich verstärkt. In Frankreich wird der Luftraum mit Jagdfliegern überwacht, die Marine kontrolliert die Küsten und Polizeibeamte sind verstärkt in Einrichtungen wie Bahnhöfen und Flughäfen im Einsatz.

In Polen riefen Polizei und Innenministerium zu erhöhter Aufmerksamkeit auf. Kirchen und Orte großer Menschenansammlungen werden intensiver geschützt. Und auch in Bagdad werden vor Silvester die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die Polizei will mit bis zu 12.000 Beamten möglichen Angriffen auf Iraker und Ausländer vorbeugen. In der griechischen Hauptstadt Athen wurden indes die Schutzmaßnahmen wegen der im August 2004 anstehenden Olympischen Spiele bereits vor einiger Zeit deutlich erhöht.
(apa, red)

30.12.2003 20:14