Grassers schwarzes Jahr
- Warum der „parteifreie“ Minister plötzlich wieder ganz lieb zu Exmentor Haider ist
KHG: Wie Grasser sein Krisenjahr bewertet und warum er „jedenfalls Finanzminister bleiben“ will.
Dabei hatte das Jahr so gut für ihn begonnen: Denn entgegen aller Ansagen des Vorjahres wurde Karl-Heinz Grasser doch wieder, was er war: Finanzminister der schwarz-blauen Koalition. Doch der ehemalige blaue Sonnyboy, der plötzlich zum „Parteifreien“ auf Kanzler Schüssels Ticket mutiert war (inzwischen zum Teilnehmer von ÖVP-Vorstandssitzungen), lernte dieses Jahr die Schattenseiten der Politik kennen.
Schwarzes Jahr. Grasser, früher stets an der Spitze der Beliebtheitsskala, musste sich plötzlich unangenehme Fragen gefallen lassen: Gegeißelt wurde er vor allem wegen seiner „privaten Homepage“, für die er Spenden von der Industriellenvereinigung bekommen hatte, für Honorare, die er für Vorträge kassiert und angeblich in eine noch gar nicht gegründete Sozialstiftung gesteckt hatte, für seinen zunächst nicht gemeldeten Aktienbesitz um Hunderttausende Euro und seine Finanzpolitik.
Die Angriffe der Opposition, die gleich mehrere Rücktrittsaufforderungen und Misstrauensanträge gegen Grasser stellte, und die immer skeptischer werdenden Medienkommentare über den „Selbstdarsteller ohne Substanz“ hinterlassen ihre Spuren: Das Image des Sonnyboys bröckelt laut Umfragen – wenn auch auf hohem Niveau. Und doch gibt sich der gefallene Star zu Jahresende betont optimistisch.
NEWS: 2003 war ein turbulentes Jahr für Sie. Sie haben mit mehreren „Affären“ immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Wie ist Ihre Bilanz?
Grasser: Für mich war es sicher das anspruchsvollste und schwierigste Jahr, das ich bisher in der Politik hatte. Aber man muss da differenzieren. Inhaltlich, was die Gestaltung Österreichs angeht, war es ein sehr erfolgreiches Jahr. Da bin ich mit der Leistungsbilanz zufrieden. Auf der anderen Seite war es persönlich politisch das schwerste Jahr. Aber man braucht auch solche Jahre, um zu lernen und in schwierigen Zeiten Erfahrungen zu sammeln. Daher freue ich mich auf das Jahr 2004.
Das komplette Interview finden Sie im neuen NEWS
PLUS: Androsch über Grasser
Cannes21:21
Zweite Goldene PalmeMichael Haneke gewinnt mit "Amour" den Hauptpreis bei den Filmfestspielen
Familiendrama in St. Pölten15:23
Bluttat: Bub ist totÄrzte kämpften erfolglos: Achtjähriger Bub nach Kopfschuss gestorben

