Dienstag, 23. Dezember 2003

Uniqa-Deal: Versicherer rettet deutsche Mannheimer vor dem Aus

  • Mehrheitsübernahme und Kapitalspritze von 79,5 Mio. Euro
  • HV der Mannheimer muss Sanierung noch absegnen

Die österreichische UNIQA-Versicherungsgruppe bewahrt mit einer Aufstockung ihres Anteils an der Mannheimer AG Holding den deutschen Assekuranzkonzern vor dem drohenden Ende. "Damit haben wir jetzt eine stabile Zukunft", so Mannheimer-Chef Lothar Stöckbauer.

UNIQA führt der Mannheimer frisches Kapital in Höhe von 79,5 Mio. Euro zu und erhöht ihren Anteil von 20 Prozent auf bis zu 87,16 Prozent. Der Sanierungsplan, den im März eine ao. HV der Mannheimer AG Holding genehmigt werden soll, sieht einen Kapitalschnitt zur Verlustabdeckung mit anschließender Kapitalaufstockung vor. Zudem löst UNIQA der Auffanggesellschaft Protektor deren Darlehen für die Mannheimer mit 25 Mio. Euro in bar ab, und Protektor verzichtet auf den Restbetrag.

Auch die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen, bei dem UNIQA von der deutschen Finanzaufsicht (BaFin) im Hinblick auf den Sanierungszweck von einem Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre befreit wurde. Schließlich steht die am Dienstag angekündigte Transaktion noch unter dem Vorbehalt, dass UNIQA mehr als 75 Prozent der Stimmrechte und des Grundkapitals der Mannheimer AG Holding erreicht.

Die Mannheimer Holding war auf Grund missglückter Aktiengeschäfte bei ihrer Tochter Mannheimer Lebensversicherungs-AG in eine finanzielle Schieflage geraten. Dadurch war auf Grund der hohen Verluste auch der Gesamtkonzern in massive Bedrängnis gebracht worden. Das Grundkapital der Mannheimer Holding wird nach einem für heuer erwarteten Verlust von knapp 200 Mio. Euro zur Hälfte aufgezehrt sein. Außerdem erfüllt sie Ende 2003 nicht mehr die für eine Assekuranz nötige Solvabilität.

Ihr Leben-Neugeschäft hatte Mannheimer im Frühjahr auf Verlangen der BaFin einstellen müssen. Die Mannheimer Leben wurde zum ersten Fall für die neu gegründete deutsche Branchen-Auffanggesellschaft Protektor, die einen Bestand von knapp 350.000 Lebenspolizzen im Volumen von 18 Mrd. Euro übernahm. Der verbliebene Leben-AG-Mantel soll zum Jahresende aufgelöst werden. Bis Ende 2003 musste auch eine Lösung für die Mannheimer Holding gefunden werden, die sich mit ihren rund 800 Mitarbeitern künftig auf das Sach- und Krankenversicherungsgeschäft konzentrieren will.

UNIQA-Chef Konstantin Klien zeigte sich am Dienstag im Gespräch mit der APA zuversichtlich, dass die Mannheimer AG Holding nach Beseitigung der Altlasten wieder zu einem Business-as-usual zurückkehren kann. Immerhin seien im Sachgeschäft in den vergangenen zehn Jahren immer vernünftige Renditen erwirtschaftet worden. Das UNIQA-Engagement erfolgte unter Return-on-Investment-Gesichtspunkten.

Als kapitalstarke Gruppe könne sich UNIQA die Akquisition samt Geldspritze leisten, so Klien weiter, der den Abschluss des Deals für das 2. Halbjahr 2004 erwartet. Auch danach sei UNIQA bei der Solvabilität ausreichend überdeckt, dies sei auch mit der Wiener Finanzmarktaufsicht (FMA) geklärt.

Die Mannheimer Holding konzentriert sich heute vor allem auf das Sachgeschäft mit im Vorjahr 260 Mio. Euro Umsatz. Im Personengeschäft verkauft man Verträge im Rahmen einer Kooperation für die Dortmunder Continentale-Versicherung, die bereits 51 Prozent an der Krankensparte der Mannheimer hält. Nach der UNIQA zweitgrößte Aktionärin der Mannheimer Holding ist mit 10 Prozent die Münchener Rück.

Der UNIQA-Konzern nahm 2002 verrechnete Prämien von 2,668 Mrd. Euro ein, nach 2,645 Mrd. Euro im Jahr davor. Samt 476 (660) Mio. Nettoerträgen aus Kapitalanlagen und anderen Erträgen betrugen die Gesamterträge 2,901 (3,125) Mrd. Euro. Die Versicherungsleistungen sanken auf 2,352 (2,529) Mrd. Euro, die gesamten Aufwendungen auf 2,866 (3,080) Mrd. Euro. 2002 beschäftigte der UNIQA-Konzern 6.565 (6.718) Mitarbeiter. (APA/Red.)

23.12.2003 16:01