Afghanische Verfassungsberatungen in der Endphase
Die Große Ratsversammlung (Loya Jirga) Afghanistans hat am Sonntag unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen in Kabul ihre abschließenden Beratungen über eine neue Verfassung begonnen. Nach Einschätzung einiger Delegierter könnte die Schlussdebatte zwei oder drei Tage dauern.
Der Vermittlungsausschuss sollte eine Kurzfassung des ausgearbeiteten Textes präsentieren. Nach Angaben aus dem Vermittlungsausschuss sieht der Verfassungsentwurf ein Präsidialsystem mit einem gestärkten Zwei-Kammer-Parlament vor. Zur Annahme der Verfassung genügt eine einfache Mehrheit der rund 500 Delegierten.
Trotzdem gebe es noch Konfliktpunkte, sagte Ausschussmitglied Mohseni. Präsident Karzai plädierte für ein Präsidialsystem mit einem starken Staatschef und machte dies zur Bedingung dafür, dass er weiter für das Amt zur Verfügung steht.
Mehrere Delegierte hatten ihren Unmut über die Behandlung des gefangenen irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein durch die amerikanische Besatzungsmacht zum Ausdruck gebracht und die offiziellen Stellungnahmen der Karzai-Regierung kritisiert, die US- Präsident Bush zur Festnahme Saddams beglückwünscht hatte . Das Vorgehen der USA schockiere "jeden Moslem und die ganze islamische Welt", erklärte der Delegierte Khan aus der Provinz Laghman.
Im Osten Afghanistans sind nach einem Angriff von mutmaßlichen Taliban-Anhängern mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Wie die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP am Samstag berichtete, hatten die Bewaffneten in Mandezi in der Provinz Khost einen Geheimdienstmitarbeiter und seine beiden Begleiter in ihrem Wagen angegriffen und getötet. Eine Militärpatrouille der US- geführten Koalitionskräfte, die wenig später dort eingetroffen sei, habe dann in einem Gefecht mindestens vier der Angreifer erschossen. (APA)
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