Exquisit! Eigenproduktionen sind der neue Trend
- Selbstgemachtes ist auf Österreichs Feinkost-Markt in aller Munde!
Achten Sie auf die Marke. Mit diesem Slogan schwört der Markenartikelverband Österreichs Käufer auf Markenartikel ein. Nach den Handelsketten mit ihren billigen Eigenmarken schwören neuerdings auch Feinkostläden und Gastronomen ihre Klientel auf ein leicht abgewandeltes Motto ein....
"Achten Sie auf unsere Marke" ist die Idee hinter der massiven Vermehrung der Mohren in den Regalen von Meinl am Graben. Für Kaffee und Marmelade in traditioneller Aufmachung ist der Mohr seit langem in Meinl-Diensten. Seit zwei Jahren hat Franziska Meinl einen neuen Job für den längstdienenden Mann der Firma: "Alle Geschäfte unserer Art in Europa haben ihre Marke. Daher haben wir begonnen, eine neue Luxusmarke zu kreieren."
Tatsächlich ist in legendären Gourmetläden wie Fortnum & Mason in London, Fauchon in Paris, Peck in Mailand oder Globus in Zürich die Zahl der unter eigenem Label gefüllten Produkte deutlich höher. Doch im Gegensatz zu den Handelsmarken mit Preisdrücker-Image, derber Verpackung und oft merklich reduzierter Qualität werden hier nur Topprodukte mit dem Eigenlogo geadelt.
Der Auftritt ist auf den Inhalt zugeschnitten, der alte Mohr wurde von der Designerin Petra Bacher modernisiert und verjüngt. 180 Artikel ziert derzeit der Jung-Mohr, in der Liste finden sich Bordeaux-Cuvées, "Orange River Rosinen in Grappa di Vinaccia", bunter Zucker in "Sonnenblumengelb" bis "Nachtschwarz", feine Fertiggerichte wie Beuschel im Glastiegel, frische Suppen oder süße Klassiker wie Seidenkissen. Teils sind die Produzenten im Kleingedruckten vermerkt, teils werden sie bewusst verschwiegen. "Das Abschauen ist natürlich ein Thema. Für den Kunden zählt die Botschaft, dass wir für ihn die Auswahl getroffen haben."
Besonderen Wert legt Franziska Meinl auf urösterreichische Produkte, die zum Teil sogar schon ausgestorben waren. "Es ist schön, wenn man dann hört: Jöö, Katzenzungen. Jöö, Seidenkracher. Darum geht es."
Am anderen Ende des Grabens findet sich mit dem Teehaus Haas & Haas ein weiterer Laden, der massiv auf das eigene Label setzt. Für Besitzerin Eva Haas war der Schutzgedanke ein Hauptgesichtspunkt: "Ich war es leid, mühsam Produkte aufzuspüren und das Ding eine Woche später bei der Konkurrenz zu sehen." Neben Tee gibt es bei Haas & Haas französische Fruchtsäfte, die größte Kollektion von Dijon-Senf in Österreich mit Mischungen von Zitrone bis Knoblauch-Petersilie, Trinkschokoladen, Blütengelees, unzählige Honigsorten usw. Zu sämtlichen Lieferanten besteht ein persönlicher Kontakt, die Produkte müssen Verkostungen im Familien- und Freundeskreis "überstehen". Wobei es bei manchen Produkten schon zwei Jahre gedauert hat, das Richtige aufzustöbern. Letztes Kriterium: "Es gibt nichts, was mir nicht schmeckt."
Wenn Restaurants über die Gasse verkaufen, bleibt das Angebot meist auf Marmeladen und Schnäpse beschränkt. Die Familie Eselböck begann vor einigen Jahren, feine Produkte aufzustöbern und unter dem Label "Feine Kollektion Taubenkobel" in ihrer Greißlerei anzubieten.
Mit dem "Schwarzen Kameel" fällt nun ein weiteres Restaurant mit einer Eigenmarke auf. Patron Peter Friese betrachtet es als Hobby, im angeschlossenen Feinkostladen einzigartige Geschmackserlebnisse anzubieten. Was vor fünf Jahren zaghaft begann, umfasst heute eine Palette von 50 Artikeln. Furore machte Friese etwa mit seinen Salami-Drops. Bald waren "Spione" da, heute findet man ähnliche Miniwürste in diversen Supermärkten. Auch für kleine Mengen ist Friese der Aufwand nicht zu groß, das jüngste Produkt sind 430 Gläser einer Physalis-Leichtkonfitüre aus Früchten vom Ausnahmebauern Michael Bauer aus Stetten. Auch sonst legt Friese seine Lieferanten stets offen. Austauschbares sucht man im "Kameel" vergeblich. Friese: "Wir wollen Dinge entwickeln, die andere gar nicht machen können."










