Mittwoch, 19. November 2003

Michael Moore, Meister der Provokation

  • Volle Deckung, Mr. Bush! ("Dude, where's my country?")
  • Im Vorabdruck: Moores Bestseller als Leseheft zum neuen NEWS

15.000 bejubeln ihn auf Deutschland-Tournee, am Donnerstag liest er im Volkstheater: Bushs Alptraum kommt über Old Europe.

Draußen vor der Halle wird es bei beginnendem Schneegestöber bedrohlich. 1.800 Menschen schieben und drängen gegen ein organisatorisches Chaos demokratischer Art. Studenten und SPD-Intellektuelle in Kaschmir, Arbeitslose vom Prenzlauer Berg und regionale Feuilletonmittelgrößen begehren gleichermaßen desperat Einlass in die Columbia-Halle, Bezirk Neukölln, wo sonst hoffende Neubürger aus Nahost umgehen. Acht Fernsehkameras, waghalsig über Köpfen balanciert, wanken im Gewühl wie Mastkörbe auf bewegter See. Es ist Doppelvorstellung, doch die 3.600 Karten reichen nicht aus.

Noch zweimal hätte man die Halle voll bekommen, frohlocken die Veranstalter in das Gemurre und verweisen auf idente Situationen an anderen Orten der Tour.

Amerikaner und Linker. Drinnen ist, mit 45 Minuten Verspätung, plötzlich wieder 1968. Ein Teach- in, hätte man damals gesagt. Doch damals waren leider nur die Joschka Fischers unterwegs und weit und breit kein Michael Moore, weshalb die linke Revolte unter Intellektuellen verblieb und in sich zusammenfiel. Der dort oben auf der schmucklosen Bühne aber ist mehrheitsfähig und hat sein Publikum in der Hand wie ein Popstar. Michael Moore, 49, ist Filmer, Autor, Provokateur, Amerikaner und Linker, nein: „Linkspopulist“ per Feuilletonschnöseldiagnose. Er tritt auf, und 1.800 stehen auf und toben. Moore ist auf Tour durch die alte Welt, nachdem er schon in der Heimat 39 Städte in 29 Tagen absolviert hat. Jetzt kommt er von der Insel, auf der Blair, der Bösewicht, das Sagen hat. Die Deutschen kann er nicht genug loben, dass sie am Irak-Krieg nicht teilhaben wollten. „Gut, dass es good old Europe gibt!“, ruft Moore unter Jubel (sein Porträt konnten Sie in der vorwöchigen NEWS-Ausgabe lesen).

Rampenvieh und Volkstribun. Mehr als ein Rednerpult mit Mikro braucht es nicht. Der Mann ist Entertainer, Rampenvieh, Volkstribun, ein Genie im Herstellen von Wir-Gefühlen und ein brillanter, frontaler politischer Publizist ohne Politologengewichse. Er liest zwei Kapitel aus dem eben in deutscher Sprache erschienenen Schon-Bestseller „Volle Deckung, Mr. Bush“ und erzählt, was er vom Oberamerikaner und den Unteramerikanern hält. Die hätten bei entsprechenden Tests den Irak mit überwältigender Mehrheit nicht auf dem Globus lokalisieren können. „Verständigen wir uns vielleicht darauf, dass man keine Länder bombardieren sollte, die das Volk nicht auf der Landkarte ausmachen kann.“ 11 Prozent, so fügt er hinzu, hätten auch die USA nicht ausfindig machen können.

Es geht um Bush, den Lügenbomber von Bagdad, und seine glänzenden Geschäftsverbindungen zur Bin-Laden-Sippe; um Arnold Schwarzenegger; und um ein Regime, das die Ärmsten noch ärmer macht. „Wenn sie ihre eigenen Kinder im Rollstuhl so misshandeln – was haben sie dann mit dem Rest der Welt vor?“

Für NEWS in Wien. Fünfzehntausend Besucher werden es am Ende der Woche im deutschen Sprachraum gewesen sein, doch das Interesse hätte für ein Mehrfaches gereicht. Berlin, Hamburg, Köln, Augsburg, München. Am Ende Wien: Am Donnerstag (20. November) geht Michael Moore über dem Wiener Volkstheater nieder wie ein Naturereignis. NEWS und der Piper-Verlag holen ihn nach Wien, Prinzipalin Emmy Werner warf dafür eine ausverkaufte und voll bezahlte „Amadeus“-Vorstellung aus dem Programm.

Ein Abendtermin um 20 Uhr war geplant und noch vor Bekanntgabe über Mundpropaganda ausverkauft. Eine Zusatzvorstellung um 18 Uhr wurde eingeschoben. Ein paar Stunden später war auch dafür keine Karte mehr verfügbar.

Den ganzen Artikel lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: Das Interview: Michael Moore über Bush, den Terror, Schwarzenegger, Haider und Hitlers gelungene Ausbürgerung aus Österreich.
PLUS: Moores Bestseller als Leseheft zum aktuellen NEWS

19.11.2003 15:55