Montag, 17. November 2003

Flughafen Wien rüstet für Bratislava-Offert

  • "Gemeinsames Airportsystem", keine Stellenverlagerungen

Der Wiener Flughafen will sich am Flughafen Bratislava beteiligen. Er reagiert damit auf mögliche Konkurrenz durch Billigangebote des nur 30 Kilomter entfernten Bratislava-Airport. 2005 könnte der Verkauf über die Bühne gehen. Der Preis ist noch unklar. Er soll über laufende Einnahmen beziehungsweise Kredite finanziert werden.

Eine Interessensbekundung haben Wiens Airport-Verantwortliche bei der slowakischen Regierung und Staatsspitze kürzlich abgegeben. 2004 will der slowakische Staat die Ausschreibung vorbereiten und 2005 finalisieren.

Der Flughafen Wien hofft, sich mit einem Angebot um eine Mehrheit durchsetzen zu können. Zur Finanzierung - geplant aus dem Cash Flow und Krediten - sei keine Kapitalerhöhung und auch kein neuer Investor nötig, sagte Flughafen-Chef Herbert Kaufmann im APA-Gespräch.

Dass der slowakische Staat 100 Prozent seines Flughafens ausschreiben wird, bezweifelt man in Wien. Wie viel in der Folge investiert werden müsse, werde Gegenstand der Ausschreibungsbedingungen sein. Anders als beim Flughafen Malta, wo der Wiener Airport als Part eines Konsortiums einstieg, will der Wiener Flughafen (in der börsenotierten AG 2.700 Beschäftigte) für den Airport Bratislava (450 Mitarbeiter) aus heutiger Sicht voraussichtlich allein bieten.

"Wir wollen uns nicht beteiligen, um den benachbarten Flughafen klein zu halten", stellt Kaufmann vorab fest. Vielmehr gehe es um ein Flughafensystem am Muster etwa von Paris mit den beiden Flughäfen Charles De Gaulle und Orly oder am Londoner Modell der Airport-Arbeitsteilung. Dies bedeute auch "keine Arbeitsplatzverlagerung". Wien würde die Funktion des Hub, des Drehkreuzes, "nie" verlieren oder abgeben, der Netzwerk- und Umsteigeverkehr werde immer über Wien gehen. Bratislava aber böte sich unter einer Wien-Airport-Beteiligung schwerpunktmäßig für Low-Cost-Carrier, Charter und Punkt-zu-Punkt-Verkehr an.

Szenarien, wonach der (billigere) Flughafen Bratislava zur ernsten Konkurrenz für Wien vor allem durch Billig-Airlines würde, hält der Wiener Flughafenvorstand entgegen, dass am Flughafen Wien jetzt sieben, in Kürze acht ("auch Niki Lauda hat wieder Wien gewählt"), Low-cost-Carrier fliegen, in Bratislava hingegen nur eine. (APA/Red.)

17.11.2003 13:23