Montag, 17. November 2003

Grundig-Pleite: Delphi übernimmt Autoradio-Sparte

  • Weltgrößter Autozulieferer zahlt 58 Millionen Euro
  • US-Unternehmen vorallem am Markennamen interessiert

Der US-Autozulieferer Delphi hat am Montag Autoradio-Sparte von der insovlenten Firma Grundig AG für 58 Mio. Euro übernommen. Das gaben beide Unternehmen in Nürnberg und Troy (Michigan) bekannt.

Der Kaufpreis setzt sich nach Angaben des US-Konzerns aus 55 Mio. Euro in bar und der Übernahme der Schulden in Höhe von rund drei Mio. Euro zusammen. Delphi will nach Angaben von Grundig nicht nur die rund 1.000 Mitarbeiter des Bereichs übernehmen, sondern hat sogar Einstellungen angekündigt. Beide Seiten äußerten sich zufrieden mit der Übernahme.

Der Grundig-Insolvenzverwalter Siegfried Beck sah ein "sehr wichtiges Etappenziel" im Insolvenzverfahrens erreicht. Der Verkauf der Car InterMedia Systems (CIS) an den weltweit stärksten Partner biete eine "sehr vielversprechende Perspektive für die Zukunft." Die Autoradio-Sparte ist einer der wenigen Geschäftsbereiche von Grundig, die noch Gewinne abwerfen.

Das US-Unternehmen, das selbst Autoradios herstellt, ist in erster Linie an dem Markennamen Grundig interessiert. "Die bekannte und geachtete Marke Grundig öffnet neue Türen für Delphis Expansion in dieses wachsende Marktsegment", erklärte Delphi-Chef J.T. Battenberg III. Mit dem Kauf der Autoradio-Sparte will das US-Unternehmen seinen Absatz auf dem europäischen Markt ankurbeln und Synergien ausnutzen.

Delphi beschäftigt weltweit rund 188.000 Mitarbeiter, 49.000 davon in Europa. Der nach eingegen Angaben größte Autozulieferer der Welt mit Hauptsitz in den USA verfügt über 167 Produktionsstätten und zahlreiche Beteiligungen in 41 Ländern. Grundigs CIS wird künftig Bestandteil von Delco Electronics, des Elektronikbereichs von Delphi mit europäischem Hauptsitz in Wuppertal, sein.

Das Amtsgericht Nürnberg hatte am 1. Juli das Insolvenzverfahren über die Grundig AG wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung eröffnet. Der fränkische Unterhaltungselektronikhersteller hatte Mitte April nach jahrelanger ergebnisloser Suche nach einem finanzstarken Investor Insolvenzantrag gestellt. (APA/Red.)

17.11.2003 09:25