Ski alpin: Ski-Legende Karl Schranz wird 65
- Zweifacher Weltcup-Gesamtsieger feiert in kleinem Rahmen
- Olympia zeigte Schranz die kalte Schulter

Am 18. November feiert eine heimische Ski-Legende den 65. Geburtstag: Karl Schanz. Für den zweifachen Weltcup-Gesamtsieger und dreifachen Weltmeister gibt es diesmal in seinem Heimatort St. Anton keine Riesenfete wie zu seinem Sechziger. Damals hatte ihm Bundespräsident Thomas Klestil das Große Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik verliehen. Diesmal wird der dreifache Familien-Vater ganz privat im kleinen Kreise feiern.
Die Karriere von Schranz hatte ja wahrlich eine unglaubliche Vielfalt zu bieten. Große Siege ebenso wie unglaubliche Ergebnisse und bittere Niederlagen, weshalb man seine Bilanz unter den tragisch anmutenden Titel stellen könnte: Der Mann, dem Olympia die kalte Schulter zeigte. Denn "Karl der Große" konnte sich ungeachtet seiner zahlreichen Erfolge seinen Lebenstraum nie erfüllen. Der Olympiasieg blieb ihm trotz viermaliger Nominierung für Winterspiele versagt.
Seine Olympiageschichte
Das erging auch anderen so, aber die Qualität in der persönlichen Olympiageschichte des Karl Schranz liegt in ihrer Dramaturgie. Squaw Valley 1960 war Teil eins mit der enttäuschenden Bilanz von zwei siebenten Plätzen. Innsbruck 1964 hätte dann sein Jahr werden sollen. Doch eine Krankheit warf ihn zurück, ein zweiter Platz im Riesentorlauf war nur ein bescheidener Trostpreis.
Nebelslalom in Grenoble
Grenoble 1968 wurde zum großen Duell mit dem auf dem Höhepunkt seiner Karriere stehenden Jean-Claude Killy, der hier Toni Sailers olympischen Rekord mit drei Mal Gold brechen wollte. Zwei Siege hatte der Franzose schon - und dann der denkwürdige Nebelslalom. Nach dem ersten Durchgang war Schranz Dritter, im zweiten Heat lief ihm - so sah es jedenfalls er selbst - ein Streckenposten in die Spur, Schranz stoppte, durfte noch einmal starten. Er fuhr zwar Bestzeit, doch aus Gold wurde nichts. Die Jury annullierte den Wiederholungslauf. Killy hatte alles.
Nach Ausschluss wie Nationalheld gefeiert
In Sapporo versuchte es der inzwischen 34jährige 1972 noch einmal. In einer Zeit, als der greise IOC-Präsident Avery Brundage noch über der an sich bereits überholten Reinheit der olympischen Idee wachte, verstieß Schranz gegen die Bestimmungen und tat noch dazu offen seine Meinung kund. Das Unheil nahm seinen Lauf, in geheimer Abstimmung wurde der Ausschluss des Arlbergers vollzogen. Der in der olympischen Geschichte einmalige Donnerschlag lieferte der Weltpresse mehr Schlagzeilen als jedes andere Ereignis. Schranz fuhr heim, wurde in Wien von rund 200.000 Fans wie ein Nationalheld empfangen.
Drei WM-Titel am Konto
Und so bleibt der viermalige Auftritt des Österreichers auf der olympischen Bühne eine eigene Geschichte, weitab von jenen großartigen Erfolgen, die seine 17jährige Karriere im ÖSV-Team würzten. Er gewann 1962 in Chamonix (Abfahrt und Kombination) und 1970 in Gröden (RTL) drei WM-Titel, triumphierte in 13 Weltcuprennen und holte 1969 und 1970 den Gesamt-Weltcup. Lange musste man warten, ehe Hermann Maier als zweitem Österreicher ein solcher Coup gelang.
Generalsekretär der WM in St. Anton
Schon längst blickt Schranz ohne Zorn zurück. Grenoble ist für ihn heute nur noch "eine Sache der Ungereimtheiten, die für sich spricht". Und bezüglich Sapporo sieht er sich als Wegbereiter: "Mein Ausschluss hat dazu geführt, dass die Sportler heute Geld verdienen können", sagte der Hotelbesitzer und dreifache Familienvater, der dem Skisport nach wie vor eng verbunden ist. Bei der Alpin-WM 2001 in St. Anton fungierte er als Generalsekretär und auch an der Durchführung der kommenden Weltcup-Rennen 2004 ist er natürlich maßgeblich beteiligt.
Mitglied der Bundesheer-Reformkommission
Schranz ist auch früher immer konsequent seinen eigenen Weg gegangen, weshalb er oft als unbequemer Einzelgänger hingestellt worden war. Heute liegen die Dinge total anders. Karl sucht gerne die Gesellschaft. Der Hobby-Golfer ist willkommener Gast bei allerlei Festivitäten und mit der heimischen Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Sport auf Du und Du. Seit kurzem ist er sogar auf politischem Parkett aktiv, schließlich gehört er auf Wunsch des Wiener Alt-Bürgermeisters Helmut Zilk der Bundesheer-Reformkommission an.
(apa/red)
