Mittwoch, 19. November 2003

U21-EM_Quali: Deutschland in Istanbul in Verlängerung qualifiziert

  • DFB-Spieler von Ordnungskräften und türkischen Polizisten tätlich angegriffen
  • PLUS: Alles über die Qualifikation für die EM 2004 in Portugal!

Mit einem Tor in der Nachspielzeit hat sich die deutsche Fußball-U21-Nationalmannschaft am Dienstag für die EM-Endrunde 2004 qualifiziert. Vor 45.000 Zuschauern in Istanbul traf der Mainzer Benjamin Auer in der 93. Minute zum 1:1-Ausgleich, das Hinspiel hatten die Deutschen mit 1:0 gewonnen. Nach dem Anpfiff wurden allerdings die deutschen Spieler tätlich attackiert. Sehr spannend ging es auch zwischen Frankreich und Portugal zu, die Portugiesen setzten sich in Clermont-Ferrand nach einem 2:1-Sieg mit 4:1 im Elfmeterschießen durch.

Ebenfalls die Tickets gelöst haben trotz Niederlagen in den Rückspielen Serbien-Montenegro (0:3 in Norwegen) und Kroatien (0:1 in Schottland), am Mittwoch wurden dann die vier weiteren Teilnehmer an der Endrunde ermittelt.

Tumulte nach dem Abpfiff
Der Jubel der Deutschen über die erste U21-EM-Teilnahme seit 1988 ging in der Wut der enttäuschten Gastgeber unter. Auf der Flucht vor fliegenden Feuerzeugen und Münzen wurden die Spieler im Kabinengang von Ordnungskräften und türkischen Polizisten zum Teil tätlich angegriffen. Teamchef Uli Stielike war empört: "Der Gedanke des Fair Play ist durch die Vorfälle nach Spielschluss mit Füßen getreten worden. Und es ist ungemein respektlos, dass wir zwei Millionen Menschen in Deutschland Arbeit geben und dann vor dem Spiel bei unserer Nationalhymne gepfiffen wird."

Türkei drohen harte UEFA-Strafen
Der UEFA-Delegierte Tom A. Restall aus Malta kündigte als Folge der Ausschreitungen eine entsprechende Meldung an die UEFA an. Diese wird ein Ermittlungsverfahren gegen den türkischen Verband einleiten, wobei das Strafmaß von einer hohen Geldstrafe bis hin zur Platzsperre reicht. Restall überzeugte sich in der deutschen Kabine von den Folgen der Ausschreitungen und ließ sich alles genau berichten. In der Kabine suchten zu ihrem Schutz auch die deutschen Journalisten Unterschlupf, denn die türkischen Fans und Ordnungshüter verloren nach Schlusspfiff völlig die Fassung.

Kicker medizinisch versorgt
Einige Spieler mussten von der medizinischen Abteilung versorgt werden. Maik Franz (VfL Wolfsburg) hatte am linken Ohr eine Platzwunde erlitten, Torschütze Benjamin Auer (FSV Mainz 05) ließ sich nach einem Tritt gegen das Bein behandeln, und selbst Schiedsrichter Michael Benes (Tschechien) musste vom DFB-Arzt am Kopf mit zwei Stichen genäht werden. Schon bei seiner Auswechslung war Thomas Hitzlsperger (Aston Villa) mit einer Wasserflasche beworfen und von einer Münze am Hinterkopf getroffen worden.

Deutsche machten "beleidigende Gesten"
Die Türken haben indirekt die deutschen Spieler für die Tumulte verantwortlich gemacht. Mit "übertriebener Freude" und "beleidigenden Gesten" hätten sie nach dem Treffer zum 1:1 in der Nachspielzeit die türkischen Fans geradezu provoziert, lautete am Mittwoch die fast einhellige Meinung in großen türkischen Zeitungen. Die gebührende Antwort sei als Wurfhagel aus Plastikflaschen und Münzen von den Tribünen gekommen. Besonnenere Stimmen, die die türkische Reaktionen als gänzlich daneben bewerteten, kamen dagegen kaum zu Gehör.

Ergebnisse U21-EM-Qualifikation - Rückspiele
Norwegen - Serbien-Montenegro 3:0
(Hinspiel: 1:5, Serbien-Montenegro mit 5:4 qualifiziert)

Türkei - Deutschland 1:1
(Hinspiel: 0:1, Deutschland mit 2:1 qualifiziert)

Schottland - Kroatien 1:0
(Hinspiel: 0:2, Kroatien mit 2:1 qualifiziert)

Frankreich - Portugal 1:4 i.E.
(Hinspiel: 2:1, Portugal qualifiziert)

Mittwoch:
Tschechien - Schweiz (Hinspiel: 2:1)
Polen - Weißrussland (1:1)
Italien - Dänemark (Hinspiel: 1:1)
Spanien - Schweden (Hinspiel: 0:2)

Die Aufsteiger sind für die Endrunde (27. Mai bis 8. Juni 2004)
qualifiziert.

(APA/red)

19.11.2003 12:03