Freitag, 21. November 2003

Popstar Jackson und Staatsanwalt sind alte Bekannte

  • Staatsanwalt Tom Sneddon wartete zehn Jahre auf neue Chance
  • Vietnam-Veteran, Vater, zwei Spitznamen: "Mad Dog" & "Snuffy"

Zehn Jahre hat US-Staatsanwalt Tom Sneddon auf die Gelegenheit gewartet, Popstar Michael Jackson doch noch wegen Kindesmissbrauchs festnageln zu können. Bereits als Jackson 1993 ein erstes Mal unter Verdacht stand, ein Kind missbraucht zu haben, leitete der heute 61-Jährige die Ermittlungen. Jackson zog sich mit einer außergerichtlichen Einigung mit der Familie des Buben aus der Affäre. Seither blieb Sneddon Jackson auf den Fersen. Diesmal scheint er sich sicher zu sein, dass der Musiker nicht noch einmal glimpflich mit einer Geldzahlung davonkommt. Wer ist dieser Mann?

Sneddon ist seit mehr als 30 Jahren Staatsanwalt von Santa Barbara und hat 50 Beschäftigte unter sich. Doch statt sich nur aufs Delegieren zu verlegen, mischt er sich weiter direkt in Fälle ein. Schlagzeilen machte er erstmals, als er Jackson vor zehn Jahren des Kindesmissbrauchs überführen wollte. Dabei soll er dafür verantwortlich gewesen sein, dass der Star sich im Zuge der Ermittlungen ausziehen musste und nackt fotografiert wurde.

Jackson widmete ihm "HIStory"
Es gelang damals zwar nicht, Jackson zu überführen. Aber die beiden Männer vergaßen einander nicht: Jackson widmete Sneddon 1995 auf seinem Album "HIStory: Past, Present and Future" ein Lied, in dem es heißt, Sneddon sei ein "kalter Mann", der vor nichts Halt mache, wenn es um die Durchsetzung seiner politischen Ziele gehe.

Persönliche Angelegenheit?
Nach dem jüngsten Haftbefehl wegen Kindesmissbrauchs bestritt Sneddon zwar vehement, dass der Termin bewusst mit dem Erscheinen von Jacksons neuer Platte zusammenfalle. Nach Ansicht von Jacksons Fans hetzte Sneddon den Musiker in der Vergangenheit, und auch für den Musiksender MTV steht fest: Der Fall Jackson sei "eine persönliche Angelegenheit" Sneddons.


"Mad Dog" und "Snuffy"
Die britische "Sun" berichtet, dass Sneddon Jackson vor seiner Festnahme am Flughafen Santa Barbara als erster begrüßte. Dafür hatte er zuvor gesorgt. Am Anfang seiner Karriere trug der neunfache Vater den Spitznamen "Mad Dog" ("Verrückter Hund"). Er soll im Gerichtssaal ein Meister sein. Die starke Präsenz bei Verhandlungen scheint ihm auch den weiteren Spitznamen "Snuffy" ("Schnüffler") eingebracht zu haben. (apa/ps)

21.11.2003 14:41