Donnerstag, 20. November 2003

ÖBB-Reform: Gewerkschaft lehnt neue Struktur ab

  • Infrastruktur für Haberzettl nur auf Kosten der Bahnkunden
  • Grünen-Chef Van der Bellen will neuen Fahrplan

Die Eisenbahnergewerkschaft protestiert weiter heftig gegen die geplante ÖBB-Strukturreform. Gewerkschaftschef Haberzettl gestand am Donnerstag zwar einen "Reformbedarf bei der Bahninfrastruktur" ein, nach dem Regierungsmodell werde dieses Problem jedoch ausschließlich auf Kosten des ÖBB-Absatz und damit letztendlich auf Kosten der Bahnkunden gelöst, kritisierte Haberzettl.

Haberzettls Rechnung zufolge werden die Bereiche Personen- und Güterverkehr, die derzeit Gewinne schreiben, nach der Reform 2007 einen Verlust von 94 Mio. Euro schreiben. 370 Mio. Einsparungen, so die Rechnung, würden knapp 560 Mio. Euro Mehrkosten gegenüberstehen. Die Eisenbahner berufen sich dabei auf Zahlen des Verkehrsministeriums und aus der Mittelfristplanung des ÖBB- Managements.

Treffen würde dies nach Meinung der Gewerkschaft vor allem den Personenverkehr. Dort, meint Haberzettl, drohe aus besagten Kostengründen eine Stilllegung von Nebenbahnen, die Anhebung der Fahrpreise und eine Verschlechterung der Qualität.

Im Güterverkehr hingegen werde man angesichts des zunehmenden Wettbewerbs die Preise kaum anheben können. Schon heuer werde wegen des Wettbewerbdrucks im Güterverkehr der Absatz-Gewinn zurückgehen.

Ob die Gewerkschaft erneut mit Streiks auf die Strukturreform reagieren werde, lässt Haberzettl weiter offen. Nur so viel: Die "Ereignisse der nächsten beiden Wochen" würden für das "weitere Verhalten der Gewerkschaft sehr wichtig sein". Voraussichtlich wird die neue ÖBB-Struktur übernächste Woche im Parlament beschlossen werden. Die Gewerkschaft verlangt nach wie vor eine Komplettrücknahme der Strukturpläne der Regierung. Kompromissbereiter zeigen sich die Eisenbahner hingegen nach dem Kompromiss von vergangener Woche in der Frage des Dienstrechts.

20.11.2003 15:21