Mittwoch, 19. November 2003

Stadträtin zum Lainz-Skandal: "Gewisse Dinge bekommt man nicht mit"

  • Alte, hilflose, verdreckte Patienten: Skandal wurde im Herbst bekannt. Bürgermeister Häupl muss aussagen

Wer ist verantwortlich für den Pflege-Skandal um alte, hilflose, ungewaschene und verwahrloste Patienten in Lainz, der im Herbst aufgedeckt wurde? Wiens Stadträtin für Gesundheit, Elisabeth Pittermann (SP), stand am Donnerstag vor der U-Kommission. Sie verglich ihre Krankenhaus-Visiten mit dem, was ein Schulinspektor tut: "Gewisse Dinge bekommt man dabei nicht mit".

Die Ressortchefin war die erste hochrangige Politikerin, die vor dem Gremium aussagen musste. Sie betonte zu Beginn, dass ihr immer bewusst gewesen sei, welche "große Herausforderung" der geriatrische Bereich darstelle. Pittermann geriet wegen des Pflege-Skandals ins Schussfeld. Sie wurde von der Rathaus-Opposition massiv kritisiert und mit Rücktrittsaufforderungen bedacht.

Pittermann hat sich in ihrer bisherigen Amtszeit wiederholt selbst von der Situation in den Wiener Geriatrie-Einrichtungen überzeugt. Sie berichtete von zahlreichen Besuchen. Sie habe versucht, in Gesprächen möglichst viel "von der Atmosphäre" in den diversen Einrichtungen einzufangen. Die Frage des Vorsitzenden Karlhans Körber, ob sie auch Unterschiede in den Geriatriezentren festgestellt habe, bejahte die SPÖ-Politikerin. In Lainz habe sie sehr wohl auch die Sieben- oder Achtbettzimmer gesehen. "Das ist nicht das, was wir uns wünschen", betonte sie.

Im Bereich Gesundheit gebe es stets "anstehende Probleme", versicherte Pittermann. In der Geriatrie sei dies etwa der Personalmangel. Laut Pittermann ist versucht worden, diese Situation zu verbessern. Sie verwies etwa auf eine Imagekampagne zum Thema Pflegeberufe.

Der Wiener Pflegeombudsmann Werner Vogt äußerste indes harte Kritik an der Führung des Geriatriezentrums am Wienerwald in Lainz. Die Pflegedirektion sei seit Jahren nicht in der Lage, eine qualitativ und quantitativ hochwertige Pflege herzustellen. (APA)

19.11.2003 22:11