Montag, 17. November 2003

Kaprun-Prozess: Hauptsachverständiger befragt

  • Heizstrahler "mit größter Wahrscheinlichkeit" Brandursache
  • 11. November 2000: 155 Menschen starben im Stollen

"Mit größter Wahrscheinlichkeit" trägt jener im talseitigen Führerstand des ausgebrannten Kapruner "Gletscherdrachens" eingebaute Heizstrahler schuld an der Brandkatastrophe im Stollen auf das Kitzsteinhorn, die am 11. November 2000 155 Todesopfer forderte. Dies sagte der Hauptsachverständige Helmut Prader am Dienstag im Kaprun-Prozess.

Allerdings wäre es sehr schwierig, "nach so langer Zeit eine genaue Feststellung zu treffen", erklärte Prader weiter. Er schloss allerdings aus, dass das Feuer auf Brandstiftung, einen Defekt in der Steckdose oder im Kabelkanal zurückzuführen sei. Es wäre wahrscheinlich ein "Produktions- beziehungsweise Materialfehler des Heizlüfters" gewesen, meinte Prader, als er sein Gutachten präsentierte.

Ebenso wenig in Frage kämen "nach menschlichem Ermessen heiße Gegenstände wie etwa Zigaretten oder Fettablagerungen am Gleiskörper". "Mit ziemlicher Sicherheit" könnten auch ein elektrischer Defekt beim Kabelschacht beziehungsweise bei den Scheinwerfern sowie die Notleuchtstäbe als Brandursache ausgeschlossen werden. Allerdings wären "gewisse Dinge im Nachhinein nicht mehr feststellbar oder nachvollziehbar", sagte der Hauptsachverständige.

Das Feuer sei vermutlich im Bereich des Steuerpults beim Heizlüfter ausgebrochen. Das Platzen der Servoleitung habe dann dazu geführt, dass Hydrauliköl ausgetreten sei und der Brand sich dann "so rasant ausgebreitet hat", meinte Prader. Maßgebend wäre auch gewesen, dass sich das Ganze in einem ansteigenden, und nicht in einem horizontalen Tunnel abgespielt habe.

Seit 18. Juni 2002 müssen sich in dem Prozess 13 Beschuldigte wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst und drei weitere Beschuldigte wegen fahrlässiger Gemeingefährdung vor Einzelrichter Manfred Seiss verantworten. (APA/red)

17.11.2003 22:31