Montag, 17. November 2003

Mord in Graz: Ermittler glauben an Auseinandersetzung unter Homosexuellen

  • 24 Jahre alter Kurde gab an, in Notwehr gehandelt zu haben
  • Kriminalisten schließen dies nach einer Obduktion aber aus

Keine neuen Erkenntnisse erbrachte die Einvernahme des mutmaßlichen Täters und der Lokalaugenschein. Seitens der ermittelnden Kriminalisten schenkt man aber der Notwehr-Version des Täters wenig Glauben. Vielmehr nimmt man eine Auseinandersetzung unter Homosexuellen als Hintergrund an.

Der 24-jährige Kurde beharrte weiter auf seiner Darstellung, sich nur gegen einen zunächst unbekannten Eindringling zur Wehr gesetzt zu haben. Dagegen spricht das Obduktionsergebnis. Auch Befragungen der Umgebung hätten gezeigt, dass das 58-jährige allein stehende Opfer seit etwa einem Jahr öfters Besuch von zumeist südländischen jungen Männern hatte. Es bestehe der Verdacht, dass er diesen für gewisse Dienste Unterschlupf geboten habe, hieß es seitens der Ermittler.

Die Obduktion jenes Gewaltopfers, das am Sonntag bei einer Messerattacke in Graz tödlich verletzt worden ist, deutet der Polizei zufolge klar auf einen Mord hin. Durch die Art und Weise der Stichführung sei Notwehr auszuschließen, hieß es. Der 58 Jahre alte Pensionist Bernd A. war in seiner Wohnung tot aufgefunden worden, die Leiche wies mehrere Messerstiche auf.

Nach Angaben der Kriminalisten hat sich die Bluttat in der Nacht auf Sonntag in einer Gemeindewohnung am Langedelwehr ereignet. Der Kurde türkischer Staatsangehörigkeit gab an, einen Bekannten gebeten zu haben, ihn zu der Wohnung zu bringen. Dort habe er schon mehrmals übernachtet und wollte das auch diesmal wieder tun. Der 58-jährige Wohnungseigentümer, der zu Hause war, gestattete dem arbeitslosen Asylwerber zu bleiben. Der Pensionist selbst ging weg, ebenso der Bekannte des Mannes.

Mitten in der Nacht soll dann angeblich ein dem Kurden fremder Mann in der unverschlossenen Wohnung gestanden sein. Gegen diesen will sich der mutmaßliche Mörder mit einem Messer gewehrt haben. Sein Widersacher erlitt dabei mehrere Stichwunden und starb. Als der 24-Jährige P. die Geschichte am nächsten Tag einem Bekannten bei einem Treffen der Zeugen Jehovas erzählte, ging ein Mitglied dieser Glaubensgemeinschaft, das die Geschichte aufgeschnappt hatte, zur Polizei. Als die Beamten in der Wohnung Nachschau hielten, fanden sie tatsächlich den Toten. (APA/red)

17.11.2003 11:16