NEWS-Interview: Haider droht Brüssel mit Transit-Veto
- Jörg Haiders neue Sanftmut: Wolf im Schafspelz
- Haider lobt nach der „Eheversöhnung“ den Kanzler
Haiders neue Sanftmut. Vor der Schicksalswahl am 7. März kämpft der Kärntner Landeshauptmann mit allen Mitteln um seine Wiederwahl. Und via NEWS droht droht er im Transit-Streit mit "Veto".
Die Stimmung ist gereizt an diesem Samstagabend. „Hat jemand Kärnten eins gesehen?“, fragt der Moderator bei der Trachtenmodenschau zugunsten von „Licht ins Dunkel“ im Kärntner Straßburg, der nicht mehr weiß, wie er die Show noch weiter in die Länge ziehen soll, immer wieder. Der Herr Landeshauptmann ist schließlich wieder mal zu spät dran und lässt das Publikum warten. Denn der blaue Wahlkämpfer sitzt noch bei einer Musikschuleröffnung in Oberkärnten fest.
Um 22.15 Uhr erscheint Haider dann schließlich bestens gelaunt, wirft sich in sein Gewand und bringt damit selbst den roten Bürgermeister von St. Veit, Gerhard Mock, zum Schmunzeln: Denn der 53-Jährige hat sich statt eines Trachtenanzugs einfach einen Trachtenrock übergezogen und defiliert mit bloßen Füßen auf dem Laufsteg. Der Frust ist vergessen, Applaus brandet auf. Der Ex-FP-Chef hat mittels gekonnter Show die Stimmung zu seinen Gunsten gedreht. Eine Szene mit Symbolkraft?
Haiders Schicksalswahl. Wenn es nach Haider geht, schon. Denn am 7. März steht die wohl größte Bewährungsprobe seiner politischen Karriere an. An diesem Tag entscheiden schließlich die Kärntner Wähler, ob er noch einmal die Goldmedaille erringen kann. Diesem Ziel ordnet Haider derzeit alles unter. Um noch einmal Kärntner Landeshauptmann zu werden, um noch einmal allen zu beweisen, dass er es wieder schaffen kann, tingelt der gebürtige Oberösterreicher von früh bis spät durch ganz Kärnten. Am Faschingdienstag übte sich Haider gar als Faschingsprinz und verteilte in Klagenfurt Gratiskrapfen und Freibier.
Kein Wunder. Immerhin könnte dort, wo er einst 1983 als Kärntner FP-Landesgeschäftsführer seinen politischen Höhenflug begonnen hat, auch wieder stürzen. Denn sollte Haider sein Ziel verfehlen, könnte er rasch vor den Trümmern seiner Karriere stehen und die schwarz-blaue Koalition in Wien wohl erneut vorzeitig platzen. Die Meinungsumfragen sind derzeit freilich kein wirklicher Trost für Haider, denn dort liegt die FPÖ mit rund 30 Prozent weit abgeschlagen hinter den Kärntner Roten. Sein SP-Herausforderer Peter Ambrozy ist denn auch optimistisch und glaubt, dass er über 40 Prozent erreichen kann.
Neue „Sanftmut“. Doch selbst der Kärntner SP-Chef erklärt via NEWS: „Wir wissen, dass Haider ein guter Wahlkämpfer ist, und unterschätzen ihn sicher nicht.“ Tatsächlich übt sich Haider auch schon in einer neuen Rolle. Denn im Kärntner Wahlkampf will er sein „Rabauken-Image“ hinter sich lassen und ist lieber auf Samtpfötchen und mit Engelszunge unterwegs.
Im NEWS-Interview erklärt er nicht ohne Augenzwinkern und spöttisches Grinsen, dass ihm „die neue Harmonie und Sanftmut derzeit wirklich liegt“.
Vetokeule. Doch ganz so zahm ist Haider freilich nicht, wie er glauben machen will, denn wenn es um die EU geht, zeigt der ehemalige „Fuchs“ seiner rechten Jugendverbindung im heimatlichen Bad Goisern rasch, dass er seine Krallen noch jederzeit parat hat: Die Bundesregierung solle in der Transitfrage „die Vetokarte gegen die EU-Osterweiterung ziehen“ und nicht „immer gleich die weiße Fahne hissen“, heißt es da etwa. Und auch in der Asylpolitik will Haider noch restriktivere Maßnahmen, als der ohnehin schon Law-and-Order-freudige Innenminister Ernst Strasser längst exekutiert.
Kritik gegen die eigenen Leute oder gegen Kanzler Wolfgang Schüssel lässt er sich hingegen derzeit – im Unterschied zu den vergangenen Monaten – tatsächlich kaum mehr entlocken, um nicht wieder als allfälliger „Zerstörer“ der schwarz-blauen Koalition übrig zu bleiben.
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