Wechsel bei Fiat: Herbert Demel ist jetzt in Turin am Steuer
- Er muss den Rotstift einsetzen, jeder 7. Job wackelt
- PLUS: Der Topmanager im FORMAT-Portrait
Großer Machtwechsel bei Fiat: Der Wiener Herbert Demel übernahm am 17.11. das Steuer des Turiner Autoherstellers und soll dort als erster Ausländer den maroden Fiat-Konzern sanieren. Dabei muss der 50-jährige Ex-Magna-Chef radikal den Rotstift ansetzen: 12.000 Jobs sollen bis 2006 abgebaut werden - auch in Italien. Der Absatzkrise will er mit neuen Modellen entgegentreten.
Der italienische Autoriese steckt seit einigen Jahren in einer schweren Krise: Seit dem Jahr 2000 versenkte die Autosparte fast fünf Milliarden Euro. Die beispiellose Geldvernichtung soll mit der Bestellung des ersten Nicht-Italieners ein Ende haben. Herbert Demel allein traut Fiat-Präsident Umberto Agnelli zu, diesen dramatischen Abwärtstrend zu stoppen. Denn erhebliche Qualitätsmängel, ausbleibende Produktinnovationen und die teure Lohnstruktur haben tiefe Löcher in die Bilanz gerissen: Im Vorjahr fuhr Fiat einen Rekordverlust von satten 1,34 Milliarden Euro ein.
Ausgerechnet ein Wiener soll nun das erreichen, woran seine beiden Vorgänger Roberto Testore und Giancarlo Boschetti kläglich gescheitert sind: die Entwicklung neuer, billiger Modelle, die Steigerung der Absatzzahlen und die Sanierung des besonders viel Geld verschlingenden Italien-Geschäfts.
Bevor sich der erfahrene Automanager Demel als Retter von Fiat profilieren kann, muss er zuerst die Kapazitäten am Standort Italien der geschrumpften Nachfrage anpassen. In Turin heißt es jetzt: sparen, sparen, sparen.
Jeder 7. Fiat-Job ist gefährdet
Demel will zu seinen konkreten Plänen derzeit keine Stellung nehmen. Drei Monate gibt sich der erste Gastarbeiter an der Fiat-Spitze Zeit, um den Konzern zu durchleuchten und nach Einsparpotenzialen zu suchen. Danach wird er Aufsichtsratspräsident Agnelli sein Restrukturierungskonzept inklusive Werkschließungen und Personalkürzungen vorlegen. Zumindest 7.000 der weltweit 49.000 Fiat-Arbeitsplätze sind von der Streichung bedroht.
Diese tiefen Eingriffe, die auch das Turiner Stammwerk Mirafiori einschließen, werden schwer durchzusetzen sein in einem Land, in dem Politiker Fiat und seine 33.000 Beschäftigten als nationales Heiligtum empfinden, das quasi unter arbeitsmarktpolitischem Denkmalschutz steht.
Fiat-Präsident Agnelli setzt auf Demels politisches Fingerspitzengefühl, das er zwischen 1997 und 2002 in Brasilien entwickelt hat. Dort werkte er vor seinem Wechsel zu Magna als Troubleshooter bei der kränkelnden VW-Tochter VW do Brasil. Zudem ist Demel frei von italienischen Seilschaften, die eine Umsetzung des Sanierungskurses behindern würden.
Mit neuen Modellen gegen Absatzkrise
Es herrscht indes allgemeiner Konsens darüber, dass Fiat ein radikales Facelifting braucht. Denn alte Modelle wie etwa der Fiat Stilo trafen selten den Kundengeschmack - Marktanteilsverluste waren die Folge.
Nur langsam zeichnet sich eine Trendwende ab, wie der gelungene Relaunch des Fiat Panda beweist. Demel soll den Modell-Innovatoren einen Turboschub geben. Und das Kunststück aus seiner Zeit als Audi-Chef (1990-97) wiederholen: das Redesign von Markenimage und Karosseriebau. Damals machte er aus der verstaubten Beamtenkarosse einen modernen Yuppie-Schlitten.
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