Mittwoch, 12. November 2003

Böhler-Privatisierung: ÖIAG verkaufte Aktien 3,3% unter Kurs

  • Veräußerung an Wiener Börse zum Stückpreis von 48,50 Euro
  • Hälfte der Böhler-Aktien nun in ausländischer Hand

Das Restviertel des Staatsanteils am Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm ist verkauft. Die ÖIAG veräußert ihre Aktien, die heute in den Wiener Börsenhandel kommen, zu einem Stückpreis von 48,50 Euro. Das teilte die Staatsholding der APA Donnerstagabend mit. Der Preis liegt um 3,3 Prozent unter dem Börsen-Schlusskurs von 50,17 Euro.

Die Transaktion, von der US-Investmentbank Morgan Stanley und der Bank Austria Creditanstalt gemanagt, spült insgesamt 133,4 Mio. Euro in die Kassen der ÖIAG: An institutionelle Investoren und Kleinanleger werden 2,75 Mio. Stammaktien (25 Prozent der Anteile) abgegeben. Details zur Zuteilung der Aktien gibt die ÖIAG morgen bekannt. Laut ÖIAG war das Angebotsvolumen - die Zeichnungsfrist lief bis heute - vierfach überzeichnet.

Böhler als erstes Unternehmen privatisiert
Nach dem Ausstieg der ÖIAG - er ist Teil des gesetzlichen Privatisierungsauftrags der Bundesregierung - ist Böhler-Uddeholm nun als erstes Großunternehmen der ehemaligen Verstaatlichten vollständig privatisiert. Denn am Anlagenbauer VA Tech (15 Prozent) und an der Voest (15 Prozent via Umtauschanleihe) hält die ÖIAG noch Anteile.

Mit der morgigen Aktienplatzierung am Wiener Markt, der dritten nach dem ersten Börsengang (IPO) im April 1995 und dem zweiten Börsengang (SPO) im März 1996, erhöht sich der Streubesitz von Böhler
-Uddeholm von bisher 44,8 auf 69,8 Prozent. Eine höhere Gewichtung im Leitindex ATX dürfte dem Stahltitel künftig sicher sein.

Österreichischer Kernaktionär
Die alleinige Rolle des österreichischen Kernaktionärs übernimmt die Investoren-Gruppe um den Badener Rechtsanwalt Rudolf Fries, die seit rund zwei Jahren über eine Sperrminorität verfügt und derzeit mit 25,6 Prozent beteiligt ist. Die restlichen 4,6 Prozent sind im Eigentum von Böhler-Uddeholm selbst.

Böhler-Uddeholm ist Weltmarktführer bei Werkzeugstahl, in der Branche gilt der Spezialstahlhersteller als hoch profitabel. Im abgelaufenen Jahr 2002 wurde bei 1,44 Mrd. Euro Umsatz ein Betriebsergebnis (Ebit) von knapp 112 Mio. Euro erwirtschaftet. Ende September 2003 beschäftigte der Konzern weltweit 10.100 Mitarbeiter, davon rund 40 Prozent in Österreich (u.a. im steirischen Stammwerk in Kapfenberg). (apa)

12.11.2003 10:55