Mittwoch, 12. November 2003

Ex-Elf-Chef Loïk Le Floch-Prigent zu fünf Jahren Haft verurteilt

  • Frankreichs Mega-Skandal der frühen 90er-Jahre aufgerollt
  • Ex-Manager Tarallo geht in Berufung

In der Korruptionsaffäre um den französischen Elf-Konzern hat ein Pariser Strafgericht maßvolle Haftstrafen verhängt. Der frühere Chef des Unternehmens, Loik Le Floch-Prigent, und sein engster Mitarbeiter, Alfred Sirven, wurden zu jeweils fünf Jahren Haft verurteilt. Damit folgte das Gericht im Falle von Le Floch-Prigent der Forderung der Staatsanwaltschaft, blieb bei Sirven aber darunter.

Le Floch-Prigent wurde für schuldig befunden, während seiner Amtszeit von 1989 bis 1993 für die Abzweigung von 183 Millionen Euro verantwortlich gewesen zu sein. "Sie sind der Hauptverantwortliche dieser Affäre", sagte der Vorsitzende Richter Michel Desplan dem 60- jährigen Le Floch-Prigent.

Der mitangeklagte deutsche Geschäftsmann Dieter Holzer, der als eine der Schlüsselfiguren beim Verkauf der ostdeutschen Leuna- Raffinerie an Elf gilt, wurde zu 15 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 1,5 Millionen Euro verurteilt. Holzer hatte 39 Millionen Euro an Provisionszahlungen kassiert, als die Raffinerie 1992 an Elf verkauft wurde. Wie Holzer erhielt auch sein damaliger Verhandlungspartner, der französische Ex-Spion Pierre Lethier, am Mittwoch eine Haftstrafe von 15 Monaten und eine Geldstrafe von 1,5 Millionen Euro.

Bei der Affäre um den früheren Staatskonzern ging es um mehr als 300 Millionen Euro veruntreuter Gelder. Vor Gericht standen insgesamt 37 ehemalige Manager, Berater und Angestellte des Ölkonzerns, von denen acht freigesprochen wurden. Die Verurteilten müssen nach Angaben des Fernsehsenders LCI insgesamt 150 Millionen Euro Geldstrafe zahlen. Die Ermittlungen in diesem Mammut-Prozess hatten acht Jahre gedauert.
(apa)
Ex-Manager Andre Tarallo geht in Berufung.

12.11.2003 08:31