Montag, 10. November 2003

"IG Farben in Abwicklung" - Nachfolgefirma der IG Farben insolvent

  • Seit 50 Jahren "in Abwicklung" - Nachfolger des Zyklon-B-Herstellers des III. Reiches kann nicht mehr zahlen

Fast 60 Jahre nach ihrer Zerschlagung durch die Alliierten stehen die für ihre vielfältigen Nazi-Verstrickungen bekannten IG Farben vor dem endgültigen Aus. Die 1952 gegründete Abwicklungsgesellschaft des ehemals weltgrößten Chemiekonzerns, die IG Farbenindustrie AG in Abwicklung, ist zahlungsunfähig.

Das teilte Liquidator Volker Pollehn am Montag in Frankfurt am Main mit. Hintergrund sind den Angaben zufolge finanzielle Schwierigkeiten der Beteiligungsgesellschaft WCM, die in einem Optionsvertrag fest zugesicherte Zahlungen nun nicht leiste. Mögliche rechtliche Schritte gegen WCM solle der Insolvenzverwalter prüfen, erklärte Pollehn.

Die Gläubiger würden in dem Insolvenzverfahren vermutlich keine Verluste erleiden, weil die Vermögenswerte die rund 28,2 Mio. Euro Außenstände abdeckten, sagte der zweite Liquidator, Otto Bernhardt. Für die Aktionäre, aber auch für Entschädigungen für ehemalige Zwangsarbeiter bleibe vermutlich kein Geld übrig. Die 1999 auf Initiative von Pollehn und Bernhardt gegründete und von ihnen geleitete Stiftung für Entschädigungen bleibe von der Insolvenz unberührt. Ihr Vermögen sei mit 250.000 Euro aber nicht sehr groß.

Der Dachverband der Kritische Aktionäre forderte, es müsse verhindert werden, "dass sich die Gläubigerbanken die letzten Mio. einverleiben, denn das Restvermögen gehört moralisch den überlebenden Zwangsarbeitern des einstiegen Nazikonzern".

Mit der Zahlungsunfähigkeit geht die wenig ruhmreiche Geschichte des ehemals größten Chemiekonzerns der Welt zu Ende, dessen Tochterfirma Degesch das in den Vernichtungslagern verwendete berüchtigte Giftgas Zyklon B herstellte und das zahlreiche Arbeitslager unter anderem beim KZ Auschwitz betrieb. (apa, red)

10.11.2003 12:17