Sonntag, 16. November 2003

Fußball: Außenseiter heizten Favoriten im EM-Playoff ein

  • McBerti mit den Schotten "auf halbem Weg ins Paradies"
    Spanier zittern vor der Osloer "Kühltruhe"
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Fünf Mal heiße 90 Minuten oder mehr kündigen sich am Mittwoch im Playoff der Fußball-EM-Qualifikation an. Die Außenseiter haben den großen Favoriten am Samstag in den Hinspielen ordentlich eingeheizt, allen voran stehen die 0:1-Niederlagen der Niederlande in Schottland sowie der Türkei in Lettland. Gefeierter Held auf der Insel war der schottische Teamchef Berti Vogts. Nach Meinung des "Sunday Herald" sind McBerti und seine Jungs "auf halbem Weg ins Fußball-Paradies".

In keinem der fünf Duelle ist eine Vorentscheidung gefallen, nicht nur die Niederländer und Türken, sondern auch die weiteren Favoriten Spanien (2:1 zu Hause gegen Norwegen), Kroatien (1:1 zu Hause gegen Slowenien) und Russland (0:0 zu Hause gegen Wales) befinden sich vor den Rückspielen am Mittwoch in arger Rückenlage.

"Oranjes" müssen weiter bangen
Während das orange Starensemble der Holländer, schon bei der WM 2002 nur Zuschauer, nach dem 0:1 in Glasgow unter Schock steht, wähnen sich die Schotten nach dem Tor durch McFadden (22.) bereits mit einem Bein in Portugal. "Wir schossen ein Tor in Deutschland, also kann uns das auch in Amsterdam gelingen - und dann müssen die Holländer drei schießen. Wir können nur gewinnen", machte Vogts den "Bravehearts" Mut. Vogts freute sich speziell darüber, dass seine Spieler keinerlei Respekt vor den großen Namen wie Kluivert, Van Nistelrooy, Makaay, Overmars oder Davids zeigten.

Bei Scheitern Rücktritt
Bondscoach Dick Advocaat, der Kluivert und Van Nistelrooy von Beginn weg stürmen ließ, steht nach der ersten Niederlage gegen Schottland seit der WM 1978 gehörig unter Druck, im Falle eines Scheiterns würde der frühere Glasgow-Rangers-Manager zurücktreten. "Schottland führt zur Halbzeit 1:0. Mit 50.000 Fans im Rücken wird es für die Schotten aber genauso schwer, wie in Glasgow für uns", will Advocaat Gelassenheit ausstrahlen. "Ein fürchterliches Ergebnis", meinte hingegen Frank de Boer ungeschminkt. "Die Niederlande machen ein ekliges Deja-vu-Erlebnis mit", titelte am Sonntag auch das "Algemeen Dagblad".

Wales vor großer Sensation
Neben Fix-Starter England könnte Großbritannien im Sommer in Portugal gleich drei Starter stellen. Denn nicht nur die Schotten, sondern auch Wales hat die Chance auf die große Sensation. Die Waliser könnten nach dem 0:0 in Moskau im heimischen Millennium-Stadion die erste Teilnahme an einem Großereignis seit der WM 1958 in Schweden zelebrieren. "Das war eine fantastische Leistung meiner Mannschaft", schwärmte Wales-Teamchef Mark Hughes.

Türkei hofft auf Heimstärke
Der WM-Dritte Türkei muss nach der 0:1-Blamage in Lettland so wie die Holländer auf die Heimstärke bauen. Der türkische Teamchef Senol Günes schob die Schlappe auf den schlechten, gefrorenen Boden in Riga sowie den Schiedsrichter. "Diese Bedingungen sind wir nicht gewohnt", meinte Günes, der für das Rückspiel in Istanbul Revanche ankündigte.

Eigentor von Berg sicherte Spanien den Sieg
Die Spanier gingen beim knappen 2:1-Heimsieg gegen Norwegen leichtfertig mit ihren Chancen um. Das könnte sich im Rückspiel rächen. Die Norsker erzielten durch Steffen Iversen die frühe Führung (14.). Iversen wurde damit einmal mehr zum spanischen Albtraum, denn bei der EM 2000 hatte der nunmehrige Wolverhampton-Stürmer für einen 1:0-Erfolg der Norweger gegen Spanien gesorgt. Real-Superstar Raul glich zwar wenig später aus (21.), doch erst ein Eigentor von Henning Berg (85.) brachte den Spaniern den 2:1-Sieg.

Zitterpartie in Oslo
"Aus der Hitze von Valencia geht es nun in die Kühltruhe von Norwegen", schrieb "Marca" vor der Zitterpartie in Oslo. Und auch "As" hat wenig Vertrauen in Nationaltrainer Inaki Saez, der nur 70 Prozent aus den spielstarken Iberern heraushole: "Der 2:1-Sieg ist für Spanien wie eine Flasche, die halb voll, aber auch halb leer ist."

Baric bleibt Optimist
Viel Spannung ist auch für die Partie in Laibach zwischen Slowenien und Kroatien mit Teamchef Otto Baric garantiert. Der Ex-ÖFB-Teamchef haderte vor allem auf Grund der vielen vergebenen Torchancen mit dem Schicksal, Baric bleibt aber wie immer optimistisch: "Ich weiß ganz genau, was ich tun muss, damit wir in Slowenien zu unseren Chancen kommen."

(APA/red)

16.11.2003 14:38