Freitag, 14. November 2003

Marco Pantani tot! Italiens Rad-Ass in Hotelzimmer aufgefunden

  • Todesursache noch unklar. Polizei fand Medikamentenschachteln neben Leiche
  • Staatsanwalt schließt Selbstmord aus

Der italienische Radsportstar und Tour-de-France-Sieger Marco Pantani ist tot. Die Leiche des 34-Jährigen wurde am Samstagabend im Zimmer eines Apartmenthotels in Rimini aufgefunden, wie die italienische Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" unter Berufung auf die Polizei meldete. Die Todesursache war zunächst unklar, einiges deutet auf Selbstmord hin.

Laut der Nachrichtenagentur Ansa fand die Polizei Medikamentenschachteln neben dem Körper des Toten. Es sei jedoch noch unklar, ob Pantani eines natürlichen Todes oder durch Medikamente starb. Der in Italien äußerst beliebt Radsportler hatte sich nach jahrelangen Dopingskandalen im vergangenen Herbst wegen Depressionen in eine Klinik begeben.

Seltsam und geistesabwesend
Laut Ansa hatte sich Pantani vor einigen Tagen im Hotel "Le Rose" in dem Adria-Ort eingemietet. Dem Personal sei er "seltsam und geistesabwesend" vorgekommen. Ein Portier habe am Samstagabend die Behörden alarmiert, nachdem Pantani nicht zum Abendessen erschienen sei und auf Klopfen an seiner Zimmertür nicht öffnete. Schließlich sei die halb bekleidete Leiche des Radsportlers auf dem Fußboden seines Zimmers gefunden worden.

Italien in Trauer
Die Nachricht vom Tod des Sportlers löste in Italien Trauer und Erschütterung aus. Vor dem Hotel in Rimini versammelten sich zahlreiche Fans. Die Polizei sperrte die gesamte Straße für den Verkehr. Als der in der Nacht der Sarg des Toten aus dem Gebäude getragen wurde, zollten die rund 200 versammelten Anhänger ihrem Star lang anhaltenden Applaus.

Der italienische Radsportler Mario Cippollini äußerte sich "verzweifelt". Pantanis Tod sei "eine riesige Tragödie". Regierungsmitglied Umberto Bossi reagierte mit "großer Trauer". Marco Pantani habe "sich sterben lassen". Der wegen seiner bunten Piratentücher auf rasiertem Schädel auch als "Il Pirato" bekannte Pantani war in Italien äußerst beliebt.

Verzweiflung unter den Kollegen
"Marco hatte erst phantastische Erfolge, dann den Zusammenbruch wegen der Dopingvorwürfen erlebt. Es war nicht einfach, mit ihm einen offenen Dialog zu führen, weil er sehr verschlossen war. Er schien stark, war in Wirklichkeit aber sehr sensibel", sagte Pantanis Ex-Trainer Felice Gimondi.

"Er war ein großer Radsportler, aber auch eine Person, mit der man schwer umgehen konnte", meinte der Chef des Radteams "Mercatone Uno", Romano Cenni, der auch in der dunkelsten Phase Pantani nahe geblieben war.

"Der Druck, dem Pantani wegen des Dopingskandals ausgesetzt war, wäre für eine normale Person verheerend gewesen, für eine sensible Person wie Marco war die ganze Anti-Doping-Untersuchung eine Katastrophe", sagte Stefano Garzelli, Ex-Teamkollege von Pantani. "Er war die Nummer eins im Radsport. Es wird schwierig sein, einen anderen wie ihn zu finden."

Der Trainer des italienischen Fußball-Erstligisten Inter Mailand, Alberto Zaccheroni, der wie Pantani aus der Stadt Cesenatico stammt, bezeichnete Pantanis Tod als "menschliche Tragödie". "Pantani hatte sich in sich selbst verschanzt. Ich hatte öfters versucht, Kontakt zu ihm aufzunehmen, doch er wollte nicht einmal ans Telefon gehen. Wir hätten ahnen müssen, wie schlecht es um ihn stand. Niemand hätte jedoch vorsehen können, dass die Geschichte eines großen Radmeisters so enden würde", sagte Zaccheroni.

Erfolgreiche Laufbahn
Pantani hatte 1998 sowohl die Tour de France als auch den Giro d'Italia gewonnen. Ein Jahr später geriet er unter Dopingverdacht und wurde 36 Stunden vor dem schon sicher geglaubten zweiten Sieg beim Giro aus dem Rennen genommen, nachdem bei ihm ein erhöhter Blut-Hämatokritwert gemessen wurde. Seither kam seine Karriere nie wieder auf die Beine. Im Jahr 2000 kehrte er zwar zur Tour de France zurück aber nur kurzzeitig.

2001 geriet er beim Giro d'Italia nach dem Fund verdächtiger Ampullen in seinem Hotelzimmer erneut unter Dopingverdacht und wurde für sechs Monate gesperrt. Im vergangenen Jahr schloss er den Giro als 14. ab. Danach begab er sich in eine auf die Behandlungen von Depressionen spezialisierte Klinik.

(apa/red)

14.11.2003 12:42