Freitag, 14. November 2003

Meisterleistung: Neustart der Bahn ist kompliziert

  • Erste Züge sind seit 18.26 Uhr wieder auf den Schienen!
  • Fahrplan gilt wieder, Waggonfolgen stimmen aber noch nicht

Nach Ende des ÖBB-Streiks folgte eine logistische Meisterleistung! Bis alle Züge wieder normal fahren, werden zwei Wochen vergehen! Das Anfahren der Bahn funktioniert nämlich nicht einfach per Knopfdruck, es erfordert genaue Planung, bis der übliche Fahrplan wieder komplett eingehalten werden kann. Im Personenverkehr läuft alles schon wieder mehr oder minder nach Fahrplan, im Güterverkehr dauert das noch "einige Tage", sagte ÖBB-Sprecher Andreas Rinofner.

Der erste Zug nach dem Streik fuhr um 18.26 Uhr los. Es war ein Personenzug, der vom Bahnhof Retz in Richtung Wien fuhr. Die Wiederaufnahme des Betriebs hat dank der minutiösen Vorbereitung reibungslos geklappt. Nur die gewohnten Waggonfolgen auf Fernstrecken sind noch nicht wiederhergestellt, da die einzelnen Wagen erst mühsam an die richtigen Orte gebracht werden müssen.

  • Garnituren stehen an falschen Orten
    Da der Streik eine Unterbrechung des Fahrplanes bedeutet, standen Garnituren und dazugehöriges Personal großteils an völlig konträren Orten, so Rinofner. Lokführer und Zugbegleiter für den Personenverkehr, sowie Triebwagen und Waggons müssen an die richtigen Bahnhöfe zusammengeführt werden. Ein logistischer Großaufwand, betonte der Sprecher: "Sie müssen davon ausgehen, dass alle diese Dinge bzw. Menschen an anderen Orten sind."

  • Neuplanung der Wartungszyklen
    Auch technisch ist die Wiederaufnahme des Fahrbetriebs eine Herausforderung für die Bahn. Schließlich hat der Streik die so genannten Umläufe gestört, in denen die Wege der Waggons - sie sind im nationalen Verkehr bis zu zwei Tagen unterwegs, bevor sie wieder in den Ausgangsbahnhof zurückkehren - festgeschrieben sind. Damit müssen auch die gesamte Wartungszyklen neu geplant werden.

  • Loks nicht einfach zu starten
    Dazu komme, dass man eine Lokomotive nach mehreren Tagen Stillstand nicht sofort wieder in Betrieb nehmen kann, erklärte Rinofner. Die bis zu vierzig verschiedenen Triebwagentypen brauchen jeweils unterschiedliche Starthilfen, etwa bestimmte Betriebstemperaturen, die Zuführung von Schmierfetten oder von Druckluft. Nicht überall, wo die Wagen zu Streikbeginn abgestellt wurden, können diese Arbeiten durchgeführt werden.

  • Problem: Stromnetz der ÖBB
    Eine weitere Schwierigkeit stellt das Stromnetz der ÖBB dar, das für die Dauer der Kampfmaßnahmen heruntergefahren wurde. Für die Anfahrt der Züge muss ein genauer Ablaufplan erstellt werden, damit die Versorgung nicht zusammenbricht.

  • Personenverkehr: 24 Stunden bis Normalbetrieb
    Insgesamt rechnete der Sprecher mit ungefähr einem Tag, bis man den "wirklich überwiegenden Teil" des Fahrplanes im Personenbereich - 3.500 Verbindungen werden an einem normalen Tag abgewickelt - wieder einhalten könne. Die ersten wichtigen Verbindungen würden bereits nach wenigen Stunden als "Grundverkehrsnetz" wieder fahren.

  • Güterverkehr: "Einige Tage" bis Normalbetrieb
    Problematischer wird es voraussichtlich im Güterverkehr: Hier müssen die stehen gebliebenen Fuhren abgearbeitet werden. Er schätzte, dass im Laufe des Streiks etwa 300 von täglich rund 2.500 verkehrenden Zügen auf der Strecke abgestellt wurden. Dazu kommen noch neue Aufträge. Bis die Arbeit hier wieder plangemäß abgewickelt werden kann, braucht die Bahn etwas länger, glaubt Rinofner: "Das dauert einige Tage." (APA/red)

    14.11.2003 17:30