Millionenverlust wegen Streik: Voest prüft Klage!
- Seit drei Tagen stehen in Linz drei voll beladene Züge, die nicht abgefertigt werden
Die voestalpine prüft, ob und wie sie sich auf dem Rechtsweg einen Teil des durch den Streik verursachten Schadens wieder zurückholen könnte. Der Vorstandsvorsitzende deutete an, dass allein das Nieder- und Wiederhochfahren eines Hochofens einen "siebenstelligen Betrag" koste, also im Millionen-Euro-Bereich liegt!
Das bedeute aber noch nicht, dass die ÖBB oder die Eisenbahnergewerkschaft geklagt werde, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der voestalpine, Wolfgang Eder, am Donnerstag vor Journalisten. Eine Schadenshöhe wollte Eder nicht beziffern.
In keinem Land außer in Österreich komme es vor, dass bei einem Eisenbahnerstreik auch die Schieneninfrastruktur bestreikt werde, "selbst nicht in Italien", sagte Eder. Dadurch kann sich die voestalpine auch nicht mit einem Notbetrieb durch die über 20 Privatbahnen "rund um Österreich" behelfen. "Wir würden uns von offizieller Seite ein etwas besseres Krisenmanagement wünschen. Hätten wir einen Kunden mit 15 Prozent Umsatzanteil (voestalpine-Anteil an den ÖBB-Gütertransporten) würden wir das etwas anders machen", so Eder. Man müsse berücksichtigen, dass nach Ende desProfil-Vorstand Wolfgang Spreitzer.
Der ÖBB-Streik trifft die voestalpine sowohl auf der Kundenseite, vor allem bei Just-in-time-Lieferungen, als auch auf der Rohstoffseite. Seit drei Tagen stehen in Linz drei voll beladene Züge, die nicht abgefertigt werden. Rohstoffseitig ist besonders das Hüttenwerk Donawitz mit seinen zwei Hochöfen betroffen, da Linz eine Notversorgung über die Donau erhalten kann. Donawitz, das nur über die Schiene versorgt wird, habe Rohstofflager für vier Betriebstage. Nach zwei Streiktagen diese Woche bleiben also nur mehr Erz- und Kohlevorräte für zwei Tage Vollbetrieb. Auch wenn ein Hochofen auf reduzierten Betrieb gestellt werde, werde die Lage bei weiterem ÖBB-Streik ab Montag sehr kritisch.
In der Hütte Linz, wo die Voest 3 Hochöfen in Betrieb hat, macht Eder vor allem der Großhochofen "A" Sorgen, der im kommenden Sommer komplett erneuert und vergrößert werden soll. Bei diesem Hochofen sei in der jetzigen Vorbereitungsphase für die Modernisierung jede gröbere Störung ein besonderes Risiko.
Auf dem Transportsektor macht voestalpine auch das ab Anfang 2004 startende Lkw-Road-pricing Probleme. Österreich gelinge damit, Deutschland als Land mit den höchsten Abgaben in Europa "problemlos zu toppen", sagte Eder. Er meinte, dass nicht allen Unternehmen bewusst sei, was die Lkw-Maut für Österreichs Wirtschaft bedeute und erwartet dadurch in den nächsten Jahren "dramatische strukturelle Veränderungen".
Die voestalpine werde jedenfalls bemüht sein, Leerfrachten künftig zu vermeiden und in beiden Richtungen voll ausgelastet zu fahren. Auch werde die Ausweitung des eigenen Bahnbetriebs ein "wichtiges asset" sein. Auch im Schiffsverkehr werde die voestalpine Kapazitäten verstärken, "aber nicht mit eigenem Gerät". Dazu wies Eder auf die Notwendigkeit der Fahrtrinnenvertiefung auf der bayerischen und der ungarischen Donau hin, die in Staatsverträgen vorgeschrieben sei. Mit einem Donauausbau würde sich die Attraktivität des Wassertransports für die voestalpine schlagartig erhöhen. Auf der Bahn betreibt voestalpine bereits jetzt die eigene Eisenbahngesellschaft Lokserv, die mit 6 Lokomotiven und einer "großen Zahl an Waggons" Kalktransporte von Steyrling nach Linz sowie Erztransporte vom Erzberg nach Linz und Donawitz fährt. (apa)
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