Sonntag, 16. November 2003

Saddam-Tonband aufgetaucht: Neuer Aufruf zum Widerstand

  • Besatzer befinden sich in einer "Sackgasse" und werden sterben
  • Wieder mehrere Explosionen in der Innenstadt Bagdads

Der arabische Sender Al Arabiya hat am Sonntag ein Tonband ausgestrahlt, das Saddam Hussein zugeschrieben wird. Darin wird zum anhaltenden "Krieg" gegen die amerikanischen Besatzer aufgerufen und eine Rückkehr Saddams an die Macht vorausgesagt. US-Präsident Bush sprach von "alter Propaganda". Neuen Berichten zufolge soll Hussein außerdem sein Aussehen verändert haben und sich weiterhin im Irak befinden. Unterdessen herrscht weiter Angst vor neuen Anschlägen: Auch am Sonntag waren in Bagdad mehrere laute Explosionen zu hören.

Hussein verteidigte die neuen Pläne der USA für eine beschleunigte Machtübergabe an die irakische Regierung als "sinnvoll" und kündigte eine "harte Gangart" gegenüber den Terroristen im Land an.

"Die Bösen haben sich in Irak in eine Sackgasse manövriert, nachdem sie sich ausgemalt hatten, dass sie zu einem Spaziergang aufbrechen", sagte die angebliche Stimme von Saddam. Nun befänden sich die die Besatzer "in einer Krise und das ist Gottes Wille". Den ausländischen Truppen werde es nicht gelingen, "den Irak zu besetzen und zu kolonialisieren". Vielmehr werde das Feuer des Irak "hunderttausende Soldaten schlucken".

Bush und Blair sind "Lügner"
US-Präsident Bush und der britische Regierungschef Tony Blair seien "Lügner, die sich militärische Unterstützung sichern wollen", sagte die Stimme in Anspielung auf die als Kriegsgrund genannte und bisher unbestätigte Behauptung, der Irak verfüge über Massenvernichtungswaffen. Experten sagten, die Stimme klinge zwar müde, aber doch wie die des ehemaligen Staatschefs. Mehrere Bezüge auf den Fastenmonat Ramadan deuteten zudem darauf hin, dass das Tonband kürzlich aufgenommen wurde.

Hussein hat sein Aussehen verändert
Hussein hat nach Angaben des amtierenden Chefs des Regierungsrats sein Aussehen verändert. Jalal Talabani sagte im US-Fernsehsender CNN, dies hätten drei Vertraute von Saddam Hussein Freunden von ihm gesagt. Der ehemalige Staatschef befinde sich im Irak und verfüge über zahlreiche Verstecke. "Aber ich glaube nicht, dass er unauffindbar bleiben wird." Saddam Hussein sei "nicht mutig und stark genug", um die zahlreichen Angriffe auf die US-geführten Besatzungsmächte zu befehligen. Diese würden vielmehr von "terroristischen Organisationen" aus dem Ausland verübt.

Auch US-Zivilverwalter Paul Bremer glaubt, dass Saddam Hussein am Leben und im Irak ist. Es sei wichtig, dass er "gefangen oder getötet" werde, sagte Bremer dem Fernsehsender Fox. Die Tatsache, dass Saddam Hussein lebe, erlaube es seinen Anhängern, weiter auf eine Rückkehr der Baath-Partei an die Macht zu hoffen.

Wieder Explosionen in Bagdad
Das US-Militär begann unterdessen in der Region Tikrit mit einer neuen Operation gegen Widerstandsnester. Die Gegend ist eine der Hochburgen des anti-amerikanischen Widerstands. In der Hauptstadt Bagdad haben am Sonntagabend mehrere Explosionen das Zentrum erschüttert. Korrespondenten hörten Detonationen im Bereich des Sitzes der US-Verwaltung. Über Verletzte und Schäden wurde zunächst nichts bekannt. In den letzten zwei Wochen hatten Aufständische das weitläufige Areal der US-Verwaltung mehrfach mit Mörsergranaten beschossen.

Am Sonntagabend wurde der Vizegouverneur von Kirkuk, Ismail Ahmed Radjab el Hadidi bei einem Attentat in der nordirakischen Stadt verletzt. Sein Chauffeur sei schwer verletzt worden, als vier Unbekannte sein Auto im Zentrum Kirkuks beschossen hätten, hieß es. (APA/red)

16.11.2003 18:07