Freitag, 14. November 2003

Es ist offiziell! Arnie als Gouverneur angelobt!!!

  • 7.500 geladene Gäste nahmen an der Zeremonie teil
  • PLUS: Alles zum Wahlsieg von Schwarzenegger und seiner Karriere

Arnold Schwarzenegger ist am Montag um 11.00 Uhr Ortszeit (20.00 Uhr MEZ) zum kalifornischen Gouverneur vereidigt worden. Der gebürtige Österreicher legte bei einer feierlichen Zeremonie in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento seinen Amtseid ab. 7.500 geladene Gäste nahmen an der Zeremonie vor dem Kapitol in Sacramento teil, darunter Familie, Freunde und Unterstützer des ehemaligen Bodybuilders und Filmstars. Österreich war durch den Generalkonsul in Los Angeles, Peter Launsky-Tieffenthal, vertreten. Aus Graz war Schwarzeneggers väterlicher Freund Ex-Bundesratspräsident Alfred Gerstl angereist.

Schwarzenegger hatte zuvor noch nie ein politisches Amt inne und wird nun für mehr als drei Jahre den bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA, Kalifornien, regieren.

Seine Vereidigung feierte Schwarzenegger schlicht ohne üblicher Mega-Party (weil er sparen muss), mit 8.000 Gästen, die Wiener Schnitzel, Apfelstrudel, Sachertorte und Kaiserschmarren serviert bekamen. Arnies Motto ist klar: Die Arbeit alleine soll im Vordergrund stehen. Und die hat Schwarzenegger in nächster Zeit im Überfluss. Denn Kalifornien hat mit einer Reihe großer Probleme zu kämpfen. Am Vorabend seiner Angelobung dankte Schwarzenegger seiner Familie und Freunden.

Zuvor hatte er bei einem halbstündigen Treffen mit dem "Übergangs-Komitee", das einen reibungslosen Übergang von der alten demokratischen zur neuen republikanischen Administration vorbereiten sollte, den Mitgliedern seinen Dank für die geleistete Arbeit ausgesprochen. Im 65-köpfigen Übergangskomitee waren nicht nur Republikaner, sondern auch Demokraten vertreten, darunter der Bürgermeister von San Francisco, Willie Brown. Rund 700 Gäste waren ins Sheraton-Hotel in der kalifornischen Hauptstadt gekommen, um die bevorstehende Angelobung zu feiern. Auch Schwarzeneggers Ehefrau und Kennedy-Nichte Maria Shriver sowie zahlreiche weiter Mitglieder der Kennedy-Familie, darunter Catherine Kennedy Schlossberg, waren zu dem festlichen Empfang erschienen. Schwarzeneggers steirische Familie war durch seinen Neffen Patrick Knapp, den Sohn seines verstorbenen Bruders Meinhard, vertreten.

Neuling vertraut auf Routiniers
Der politisch unerfahrene Schauspieler, der als Kandidat der konservativen Republikaner in vorgezogenen Neuwahlen den Demokraten Gray Davis besiegt hatte, hat ein Team von Routiniers um sich versammelt. Seine Finanzchefin wird Donna Arduin, die bereits an der Sanierung der Staatsfinanzen in Florida, Michigan und New York arbeitete. Als Stabschefin nominierte er Patricia Clarey, die schon für den früheren Gouverneur Pete Wilson und im Washingtoner Innenministerium arbeitete. Erziehungsminister wird der frühere Bürgermeister von Los Angeles, Richard Riordan.

Defizit und Waldbrände
Der Filmstar und frühere Bodybuilding-Champion hat den Kaliforniern "Action, Action, Action, Action" versprochen. Doch die Probleme des bevölkerungsreichsten Staates der USA erscheinen zu knifflig für eine Haudrauf-Politik. Das Defizit könnte sich nach neuesten Schätzungen auf bis zu 26 Milliarden Dollar (22,4 Milliarden Euro) belaufen; noch keine abschließende Kostenaufstellung gibt es zudem über die Waldbrände, die weite Teile Südkaliforniens verwüstet haben.

Zudem hat Schwarzenegger seinen Handlungsspielraum durch eigene Wahlversprechen eingeengt. Einerseits will er den Haushalt wieder in die Balance bringen, andererseits keine Steuern erhöhen. Im Gegenteil: Als einen der ersten Schritte will Schwarzenegger die unpopuläre Erhöhung der Kfz-Steuer zurücknehmen, mit der sich Davis selbst eine Falle gestellt hatte. Damit würde Schwarzenegger aber ein neues Loch von 4,2 Milliarden Dollar aufreißen. Auch hat der Filmstar versprochen, keine Einschnitte im Bildungswesen vorzunehmen - dieser Bereich macht aber laut Experten zwischen 50 und 60 Prozent des Haushalts aus.

Wilde Vergangenheit holt "Arnie" ein
Der Schwung des Actionhelden könnte auch durch die anhaltenden Vorwürfe zu seiner wildbewegten Vergangenheit gebremst werden. Schwarzenegger wird beschuldigt, mindestens 16 Frauen betatscht und mit anzüglichen Bemerkungen bedrängt zu haben. In der Schlussphase des Wahlkampfs gab er zu, sich rund um Filmdrehs "manchmal schlecht benommen" zu haben - seine Entschuldigung reichte den meisten Wählern und Wählerinnen aus.

Doch seit der Wahl haben die Vorwürfe erneut für Schlagzeilen gesorgt. Schwarzenegger verwickelte sich in einen Streit mit Generalstaatsanwalt Bill Lockyer. Dieser forderte eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe. Schwarzenegger wertete Lockyers Äußerungen als Vertrauensbruch. Er beauftragte inzwischen ein Detektivbüro mit Untersuchung der Vorwürfe, will aber das Ergebnis dem Generalstaatsanwalt möglicherweise vorenthalten.

Der Konflikt deutet auf künftige politische Rivalitäten hin. Lockyer ist ein Demokrat, der im Wahlkampf zwar Schwarzenegger unterstützt hatte. Er gilt aber als möglicher Herausforderer Schwarzeneggers bei der nächsten Wahl 2006. (APA/red)

14.11.2003 08:38