Freitag, 14. November 2003

Kein Rückzug: USA schließen frühzeitigen Irak-Abzug aus

  • Bush: Ziehen erst ab, wenn Hussein aufgespürt wurde
  • Mehrheit der Amerikaner zweifelt an Gründen für Irak-Krieg

Nach ihrer weltweit begrüßten Ankündigung, die politischen Reformen im Irak zu beschleunigen, hat die US-Regierung Spekulationen über einen vorzeitigen Rückzug ihrer Truppen entgegengewirkt. "Wir ziehen erst ab, wenn der Job erledigt ist", sagte Präsident Bush in einem Interview mit der britischen Zeitung "Financial Times". Dazu zähle auch das Aufspüren Saddam Husseins.

Verteidigungsminister Rumsfeld sagte, es gebe keinen Beschluss, früher abzuziehen, "eher im Gegenteil". Bei einem Einsatz in Bagdad zerstörte die US-Armee ein Gebäude. In Tikrit wurden mutmaßliche Beteiligte an Abschüssen von US-Hubschraubern gefasst.

Hussein muss aufgespürt werden
Bush betonte zugleich, wichtiger als das Aufspüren des entmachteten irakischen Staatschefs sei "eine freie und demokratische Gesellschaft. Das ist die Mission." Zur neuen Strategie der USA sagte Bush der "Financial Times", das irakische Volk sei "sehr fähig", sein Land zu führen. "Je eher die Souveränität so übergeben wird, wie es einem stabilen Land entspricht, desto besser." Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sagte in Washington, die Iraker seien zur Beschleunigung dieses Prozesses "bereit".

Rumsfeld dementierte Medienberichte, wonach Bush einen vorzeitigen Abzug der Truppen aus dem Irak plane. Die Berichte, die dies unterstellten, seien "ungenau", sagte Rumsfeld beim Besuch eines US-Luftwaffenstützpunktes auf der Pazifik-Insel Guam. Auch wenn die Verantwortung früher als geplant an die Iraker übertragen werde, bedeute dies nicht, dass die USA das Land "physisch" verließen, betonte der Pentagon-Chef. Die USA würden sich weiterhin verantwortlich für den Wiederaufbau des Iraks fühlen.

Mehrheit der Amerikaner zweifelt an Gründen für Krieg
Mehr als die Hälfte der Amerikaner sind der Meinung, dass die Entscheidung zum Krieg gegen Irak auf falschen Annahmen beruhte. Diese Ansicht vertraten 55 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage im Auftrag der Universität von Maryland.

Die US-Regierung hätte sich vor dem Krieg mehr Zeit für die Suche nach Massenvernichtungswaffen nehmen müssen, erklärten sechs von zehn Befragten in der Erhebung. Dennoch meinten 57 Prozent, die Entscheidung zum Krieg sei richtig gewesen - im Mai waren noch 68 Prozent dieser Ansicht.

Drei Viertel der Befragten sahen es in der Verantwortung der USA, so lange in Irak zu bleiben, bis das Land eine stabile Regierung hat. (apa/red)

14.11.2003 08:06