Donnerstag, 13. November 2003

Reich dank "Ötzi": Ehepaar will 250.000 Euro Finderlohn

  • Deutsche dementierten Forderungen in Millionen-Euro-Höhe

Nach ihrer vom Bozner Landesgericht festgestellten Findereigenschaft wollen die beiden Ötzi-Entdecker, Helmut und Erika Simon aus Nürnberg, erneut mit dem Land Südtirol verhandeln. Dabei gelte es, einen angemessenen Finderlohn zu definieren. Die Anwälte der Simons sprachen am Donnerstag von einer Summe zwischen 150.000 und 250.000 Euro.

Den Simons gehe es zwölf Jahre nach dem Fund der Gletscherleiche nicht um gewinnträchtige Spekulationen oder gar um Rache an Südtirol, erklärte der Südtiroler Anwalt Gerhart Gostner am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Bozen.

In der Urteilsbegründung wird laut Gostner erklärt, dass die Eigenschaft von Helmut Simon als Finder der Gletschermumie mittlerweile Teil seiner Identität sei. Ötzi-Finder zu sein, sei sein rechtlich geschütztes Interesse. Zu dem Gerichtsverfahren war es gekommen, nachdem das Land Südtirol dem Ehepaar Simon die offizielle Findereigenschaft aberkannt habe und zu Verhandlungen anscheinend nicht bereit gewesen sei.

Aus dem am 15. Oktober dieses Jahres vom Bozner Landesgericht gefällten Urteil, das den Kläger Simon als Finder des Ötzi und der Beifunde anerkennt, kann Simon laut Gostner nun weitere Rechte ableiten, sprich einen Finderlohn fordern. Ein italienisches Gesetzesdekret von 1999 sehe vor, dass dem Finder von archäologischen Gütern ein Finderlohn entweder in Form eines Geldbetrages von bis zu 25 Prozent des Wertes oder mittels Übergabe eines Teiles der gefundenen Güter zusteht.

Die 1994 vom Land Südtirol angebotene Summe in der Höhe von zehn Millionen Lire (rund 5.000 Euro) stehe in keinem Verhältnis zum Wert des Sensationsfundes. Als realistisch bezeichneten die Simon-Anwälte eine Forderung zwischen 150.000 und 250.000 Euro, vor allem wenn man bedenke, dass der Mann aus dem Eis die größte touristische und wissenschaftliche Attraktion Südtirols sei und jährlich rund 300.000 Besucher in das eigens für ihn errichtete Museum in Bozen locke. Die Anwälte dementierten am Donnerstag Medienberichte, denen zufolge die Simons Forderungen in Millionenhöhe stellen würden. (apa/red)

13.11.2003 14:11