Drei Babys tot: Deutsche Babymilch in Israel schuld?
- Generalstaatsanwalt erwägt rechtliche Schritte gegen Humana
- Koschere Ersatzmilch auf Sojabasis enthielt kein Vitamin B1
Nach dem Tod von drei Babys, die mit einer in Deutschland produzierten Säuglingsmilch ernährt wurden, erwägt Israel rechtliche Schritte gegen den Hersteller Humana. In der koscheren Ersatzmilch auf Sojabasis sei kein Vitamin B1 enthalten gewesen; dieser Mangel habe in drei Fällen zum Tod geführt, teilte das israelische Gesundheitsministerium am Montag mit.
17 weitere Babys seien erkrankt. Säuglinge, die mit der unter dem Namen Remedia vermarkteten Milch ernährt worden seien, müssten dringend mit dem fehlenden Vitamin B1 versorgt werden. Die Eltern wurden aufgerufen, ihre Kinder zum Arzt zu bringen. Die Humana GmbH kündigte eine Prüfung der Vorfälle an.
Der israelische Generalstaatsanwalt prüfte unterdessen die Möglichkeit, rechtliche Schritte gegen Humana einzuleiten. Das Unternehmen sitzt im nordrhein-westfälischen Everswinkel. Zur Klärung des Vorfalls, der in Israel hohe Wellen schlägt, sollte eine israelische Delegation nach Deutschland reisen.
Die Humana GmbH erklärte am Abend, betroffen sei die sojahaltige Säuglingsnahrung Remedia Super Soya 1. Da diese bereits ab Samstag auf Anweisung des israelischen Gesundheitsministeriums vom Markt genommen wurde, könne das Unternehmen "eine mögliche weitere Gefährdung in Israel ausschließen". Da das koschere Nahrungsmittel ausschließlich für den israelischen Markt produziert worden sei, seien auch andere Humana-Produkte nicht betroffen, weder in Deutschland noch in anderen Ländern.
Bereits seit dem Wochenende seien in enger Abstimmung mit den israelischen Behörden die notwendigen Untersuchungen eingeleitet worden, "um zu prüfen, ob und inwieweit ein möglicher Zusammenhang zwischen dem gehäuften Auftreten der Erkrankungssymptome und der Verwendung der sojahaltigen Nahrung Remedia Super Soya 1 (Dose) in Israel bestehen könnte", erklärte Humana-Vorstandsmitglied Rolf Janshen im nordrhein-westfälischen Herford.
Weiter teilte Humana mit, das israelische Untersuchungsergebnis, wonach die Nahrung kein Vitamin B1 enthalte, sei "nicht nachzuvollziehen, weil allein die Zutaten einen natürlichen Gehalt an Vitamin B1 aufweisen". Auch erste Zwischenergebnisse neuer Untersuchungen unabhängiger Spezialinstitute hätten Nachweise von Vitamin B1 ergeben. (APA)
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