Freitag, 14. November 2003

Nach Sahara-Geiseldrama: Entführer entschuldigt sich

  • Chef erkundigte sich über Wohlergehen der Österreicher
  • PLUS: Die Bilder der Geiseln und ihrer Rückkehr in die Heimat!

Entschuldigung nach zwei Monaten Geiselnahme: Der Chef jener Gruppe, die in Algerien im Frühjahr zwei Monate lang zahlreiche Europäer gefangen gehalten hatte, hat sich Salzburger Medienberichten zufolge mit einem freundlichen Anruf bei einem seiner damaligen Entführungsopfer in Salzburg gemeldet. Der Mann habe sich in dem 20 Minuten dauernden Gespräch erkundigt, wie es den acht Salzburgern und zwei Tirolern gehe und "entschuldigte sich für den Terrorakt gegen Unbeteiligte", berichtete Ingo Bleckmann (60), der zusammen mit seinem Sohn in Gefangenschaft geraten war.

Um 6.00 Uhr schrillte vorige Woche das Telefon von Ingo Bleckmann. Am Apparat war der Chef jener Geiselnehmer, die im Frühjahr zehn Österreicher und sechs Deutsche entführt hatten. Im Mai waren die Touristen vom algerischen Militär befreit worden, während eine zweite Gruppe von europäischen Touristen bis Mitte August auf ihre Freilassung warten musste. Eine Frau aus Deutschland war während der Gefangenschaft ums Leben gekommen.

Ingo Bleckmann, der sich mit den Entführern in französischer Sprache verständigen konnte, hatte während der Geiselnahme nach eigenen Angaben "eine sehr gute persönliche Beziehung" mit den Terroristen aufbauen können. "Deshalb hat es mich auch wirklich gefreut, dass er angerufen hat", so Bleckmann gegenüber dem ORF-Landesstudio Salzburg. In dem Gespräch habe der Mann erkennen lassen, dass die damalige Geiselnahme etwas sei, "was nicht für gut befunden werden kann". Ihm sei es klar, dass es ein Terrorakt gegen Unbeteiligte war, zitierte Bleckmann die Worte des ehemaligen Entführers.

Der Algerier gab auch einige Details von der Geiselbefreiung durch das algerische Militär preis. Bei dem Schusswechsel seien zwei seiner Leute gestorben, und nicht - wie von den Österreichern angenommen - neun Geiselnehmer. Nach Ansicht der Geiseln hätten sich deren Entführer bei dem Angriff bewusst von ihnen entfernt, um sie nicht in Lebensgefahr zu bringen. (APA/red)

14.11.2003 15:27