Mordfall Wurst: OGH bestätigt das Urteil zu 100 Prozent
- Es bleibt bei 17 Jahren Haft für Ex-Kinderarzt Franz Wurst
- Nichtigkeitsbeschwerde verworfen, Berufung zurückgewiesen
Keine Gnade für Franz Wurst! Der Oberste Gerichtshof (OGH) bestätigte am Dienstag das Urteil gegen den Kinderarzt wegen Bestimmung zum Mord sowie des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. Es bleibt bei 17 Jahren Gefängnis. Der OGH verwarf die Nichtigkeitsbeschwerde, die Berufung wurde zurückgewiesen.
Hilde Wurst wurde am 8. Dezember 2000 tot in ihrer Villa in Pörtschach aufgefunden. Thomas H. (22), "Patenkind" des betagten Ehepaares, gab später zu, sie auf Ersuchen des Primars erstickt zu haben. Begründung: Sie sei "im Weg gestanden". Während sich der junge Mann in dem 73 Verhandlungstage umfassenden Prozess schuldig bekannte - er wurde zu zwölf Jahren verurteilt - , leugnete Wurst sowohl die Anstiftung zum Mord als auch die laut Anklage bis zu 30 Jahre zurück liegenden sexuellen Übergriffe auf ehemalige Patienten.
Der Verteidiger des 83-jährigen Franz Wurst, Helmut Sommer, sah bei der Verhandlung in Klagenfurt eine Befangenheit des Richters Wilfried Kirchlehner: "Der Vorsitzende war massiv voreingenommen." Er habe wichtige Zeugen nicht zugelassen, Beweisanträge abgelehnt und den Anwalt nicht über die Einvernahme von Gutachtern informiert. "Das ist ein Niveau, das die österreichische Justiz um 100 Jahre zurückdreht", sagte Sommer.
Zudem stellte der Verteidiger die Glaubwürdigkeit von Zeugen in Frage. Dabei ging es um Kinder, die vor Jahrzehnten von Wurst untersucht und laut jetzigem OGH-Urteil missbraucht worden sind. "Das Problem ist, dass die Leute Aussagen über Umstände, die vor 30 Jahren passiert sind, machen." Bei derart langen Deliktszeiträumen sei es so, dass auf die Aussagen besondere Sorgfalt gelegt werden müsse, erklärte Sommer. Zudem hätten einige dieser heute Erwachsenen massive psychische Erkrankungen, was die Zeugenfähigkeit in Frage stelle. "Die meisten Zeugen haben gesagt, dass ihnen die Untersuchungen von Dr. Wurst ganz normal vorgekommen sind. Erst nach den Medienberichten dachten sie an Missbrauch." (APA/red)
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