Dienstag, 11. November 2003

"Fall Cheibani": Todesursache bleibt weiterhin unklar

  • Neues Gutachten birgt aber Brisanz: Wague wurde geschlagen!
  • Rettungsarzt zwischenzeitlich in den Innendienst versetzt

Auch vier Monate nach dem Tod Cheibani Wagues im Wiener Stadtpark ist nicht bekannt, woran der Mauretanier tatsächlich gestorben ist. Auch das jetzt vorliegende endgültige gerichtsmedizinische Gutachten bringt keine neuen Erkenntnisse, berichtet der "Falter".

Der Afrikaner ist nach Angaben von Dr. Daniele Risser einem "nicht beherrschbaren Kreislaufversagen" erlegen." Risser fand bei der Obduktion einen "offenbar angeborenen Herzklappenfehler", der bereits "durch viele Jahre zu einer massiven Schädigung des Herzens mit zunehmender Reduktion der Herzleistungsfähigkeit geführt hatte".

Laut "Falter" hatte Wague keine harten Drogen im Blut, dem Gutachten zufolge hatte er am Abend seines Todes allerdings "zweifelsfrei" (Gutachten) und heftig an einer Haschzigarette gezogen. Da der Mauretanier dabei "überdurchschnittlich gutes Haschisch" (aus dem Protokoll) verwendet hatte, war mit "intensiven Nebenwirkungen zu rechnen". Weil Wague ein krankhaft vergrößertes und äußerst schwaches Herz hatte, habe er die hektische nächtliche Amtshandlung nicht überlebt.

Nadja Lorenz, die Anwältin der Witwe, kritisiert dem "Falter" gegenüber, dass wesentliche Fragen der Justiz im Gutachten "völlig unbeantwortet" bleiben: Die "Untätigkeit des Notarztes" und die umstrittene Fixierung in Bauchlage seien kein Thema gewesen. Der Gutachter hat der Anwältin zufolge "nachweislich falsche Polizeiprotokolle" verwendet. Sie beruft sich dabei auf ein Privatvideo, in dem zu sehen war, dass Wague "Minuten lang" regungslos unter den Füßen der Einsatzkräfte gelegen ist.

Zur möglichen Todesursache eines Erstickens in Bauchlage heißt es dem Blatt zufolge: "Zu überlegen wäre (...), ob eine Kompression des Brustkorbes stattgefunden hat, die über eine Behinderung der Atmung wirksam geworden sein könnte." Ein "entsprechendes pathologisch-anatomisches Korrelat (....) in Form so genannter Stauungszeichen" sei allerdings nicht feststellbar gewesen.

Gutachten enthält brisante Details
Brisant - so der "Falter" - ist das Gutachten aber für die Polizei, die Wague laut Zeugenaussagen mit Schlägen auf den Hinterkopf misshandelt haben soll. Risser protokollierte nicht nur "Blutunterlaufungen" an Armen und Beinen, sondern auch "blutige Durchtränkungen" in der Nackenregion. (APA/red)

11.11.2003 09:43