Freitag, 7. November 2003

FORMAT zum Yukos-Streit: Putin jagt die Oligarchen

  • Präsident & Paten: Verhaftung des reichsten Russen stürzt Wirtschaft ins Chaos. Ein FORMAT-Dossier über die Spuren nach Österreich

Mit der Verhaftung des mächtigen Yukos-Chefs hat sich Ex-KGB-Agent Wladimir Putin im Vorfeld demnächst stattfindender Parlaments- und Präsidentenwahlen als Apparatschik enttarnt, der mithilfe einer überall massiv in Regierung und Staatswirtschaft verankerten Geheimdienstfraktion regiert. Das Kredit-Rating der russischen Wirtschaft ist durch die Enteignung um Jahre zurückgeworfen.

Die russische Version der Geschichte "Vom Tellerwäscher zum Millionär" des 40-jährigen Chefs des russischen Ölgiganten Yukos, Michail Chodorkowski, ist rasch erzählt: Vor sieben Jahren noch ein kleiner Computerimporteur, ist er heute mit einem geschätzten Vermögen von 8,5 Milliarden Dollar der reichste Russe. Die Eckdaten der Superkarriere: 100.000 Mitarbeiter, 30 Milliarden Dollar Börsenwert und Ölreserven im Ausmaß von 13,7 Milliarden Fass - mehr als die Scheichs in Kuwait.

Seit dem frühen Morgen des 25. Oktober ziert die Fabel-story allerdings ein Schönheitsfehler. Eine schwer bewaffnete Spezialeinheit stürmte Chodorkowskis Privatjet und zerrte den Oligarchen in eine Zelle des Untersuchungs-Gefängnisses Matrosenruhe.

Bestärkt durch ermunternde Kommentare von Präsident Wladimir Putin im Staatsfernsehen wird Chodorkowski alles vorgeworfen, was ein Unternehmer ausfressen kann: Untreue, Betrug, Unterschlagung und Steuerhinterziehung. Angeblicher Schaden: rund eine Milliarde Dollar. Strafrahmen: Bis zu zehn Jahre Haft.

Geheimdienst-Clique gegen Kapitalisten
Durch den Schlag gegen Yukos und Michail Chodorkowski haben sich Putin und seine Getreuen aus Geheimdienst und Armee ("Silowiki" genannt) mit ihrem mächtigsten Widersacher angelegt. Denn der Yukos-Boss ist das Paradebeispiel des geschmähten Raubtierkapitalismus - der vom Kreml verächtlich als Oligarchen titulierten Finanzgrößen, die erstmals Mitte der neunziger Jahre im Umfeld von Expräsident Boris Jelzin aufgetaucht waren und deren Spuren bis nach Österreich führen.

Spuren nach Wien
Während die Umstände der Verhaftung von Yukos-Chef Chodorkowski von Amerika bis Europa für Empörung sorgen, regt das den in Wien lebenden Russen Jewgeni Rybine in seinem Büro im Millennium Tower nicht sonderlich auf. Rybine, Chef des Ölhandelsunternehmens East Petroleum HandelsGmbH, musste im geschäftlichen Umgang mit Yukos nämlich gleich zweimal um sein Leben bangen: Ende 1997 übernahm Chodorkowski die Mehrheit an der sibirischen Ölgesellschaft Tomsknjeft, an der auch Rybine Anteile besaß.

Todesangst um Aktiendeals
Nachdem der Wahlwiener Verhandlungen mit Yukos über den Verkauf seiner Aktien gestoppt hatte, wurde zuerst mit einem Maschinengewehr auf ihn geschossen. Wenige Monate später, am 5. März 1999, flog Rybines Wolga-Limousine im Westen Moskaus durch einen Treffer aus einem Granatwerfer in die Luft. Der Chauffeur war sofort tot. Die beiden Leibwächter wurden durch Salven aus Kalaschnikow-Maschinenpistolen schwer verletzt.

Genau diese raubtier-kapitalistische Phase am Beginn seiner steilen Karriere wurde dem Yukos-Boss nun zum Verhängnis.

Doch die harte Gangart gegen die Superoligarchen hat in Putins Russland Tradition - und führt durch die Yukos-Affäre nun zu einer gigantischen Kapitalflucht.

Dass sogar ein Job im staatlichen Öl-Koloss Gazprom nicht vor der Willkür der Apparatschiks schützt, davon weiß der Wahlwiener Jakov Goldowski ein Lied zu singen: Der 41-jährige Exchef der Gazprom-Tochter Sibur saß ab Februar des Vorjahres wegen angeblicher Veruntreuungen und Geldwäsche in Moskau neun Monate in Untersuchungshaft.

Die ganze Story lesen Sie jetzt im FORMAT Nr. 45/03

7.11.2003 12:51