Carrera-Schließung - Schock bei den 473 Mitarbeitern sitzt tief
- Belegschaft kündigt "Besetzung" der Maschinen an, wenn es keinen akzeptablen Sozialplan gibt - Suche nach Nachfolgefirma beginnt

Am Tag nach der völlig überraschenden Bekanntgabe der Schließung des Carrera-Optyl-Werkes in Traun (Bild) - es wird nach Italien verlegt - sitzt der Schock sowohl bei der Belegschaft als auch bei den Landes- und Kommunal-Politikern tief. Den 473 Beschäftigten wurde für Freitag erst einmal freigegeben - so sollen sie die Hiobsbotschaft "verarbeiten" können. Im Büro des oberösterreichischen Wirtschaftslandesrates Sigl tagt ein Krisengipfel.
Zwei Schwerpunkte kristallisierten sich heraus: Es soll möglichst rasch eine Nachfolgefirma gefunden werden, die das Areal und die Betriebsgebäude übernimmt. Gewerkschaft und Betriebsrat kündigten "äußerst harte Sozialplanverhandlungen" an, wobei auch die "Besetzung" der Maschinen nicht ausgeschlossen wird.
Das Areal der Firma Carrera-Optyl ist im Besitz der italienischen Eigentümer Safilo. Es umfasst rund 5.000 bis 6.000 Quadratmeter mit einer Reihe von Betriebsgebäuden. Man werde gemeinsam mit der Technologie- und Marketinggesellschaft (TMG) des Landes versuchen, ein oder mehrere Unternehmen zu finden, die sich im Bereich der bisherigen Carrera-Optyl in Traun ansiedeln, kündigte Landesrat Sigl an. Ebenso habe bereits gemeinsam mit dem AMS die Suche nach Ersatzarbeitsplätzen für die Carrera-Optyl-Beschäftigten begonnen. Die Situation sei im Raum Traun nicht so schlecht, es gebe hier durchaus Bedarf, so Sigl. Die Vermittlungschancen sollen durch Zusatzqualifikationen der Betroffenen noch erhöht werden, entsprechende Angebote werden bereits ausgearbeitet. Auch ein Stiftungs-Modell sei in Vorbereitung, sagte Sigl.
Auch der Präsident der oberösterreichischen Arbeiterkammer, Johann Kalliauer, kündigte an, man werde sich aktiv in die Suche nach einem Nachfolgebetrieb für Carrera-Optyl einschalten, ebenso unterstütze die Kammer alle Begleitmaßnahmen wie zum Beispiel eine Stiftung. Kritik übte Kalliauer an den italienischen Eigentümern von Carrera-Optyl, "es gibt bei uns Spielregeln, vor allem was den Kontakt mit den Sozialpartnern anlangt, die in diesem Fall nicht eingehalten wurden", so der AK-Präsident. Dasselbe gelte auch für den Sozialplan, dessen Erstellung eine rechtliche Verpflichtung sei, "aus dieser Verantwortung können sich die Eigentümer von Carrera-Optyl nicht davonstehlen" (Kalliauer).
Was den Sozialplan anlangt, so wiederholte der Betriebsratsobmann von Carrera-Optyl, der SPÖ-Nationalratsabgeordnete Hermann Krist nach dem Gipfelgespräch am Freitag die Absicht, "harte Verhandlungen zu führen, denn wir haben nichts mehr zu verlieren". Er wolle zu den Detailvorstellungen der Belegschaft, was den Sozialplan betrifft, noch nichts sagen, "wir legen nicht unsere Karten vorzeitig auf den Tisch", so Krist, "jedenfalls haben wir für die Eigentümer einige Überraschungen bereit". Es sei zwar seitens der Italiener die Bereitschaft signalisiert worden, einen Sozialplan auszuarbeiten. Sollte dieser Plan aber nicht so ausfallen, wie es sich die Belegschaft erwartet, so werde man auch Aktionen setzen, sagte Krist, "ohne unsere Zustimmung wird keine einzige Maschine das Werk Richtung Italien verlassen". Und der Metallergewerkschafter und SP-Nationalratsabgeordnete Walter Schopf ergänzte: "Wir werden solche Aktionen auf jeden Fall unterstützen, eine Vorgangsweise wie jetzt von den italienischen Eigentümern habe ich in 25 Jahren noch nicht erlebt".
(apa, red)
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