Ringen um Böhler: Billa-Boss legte ÖIAG-Aufsichtsrats-Mandat zurück
- Kritik wegen Unvereinbarkeit: Schalle war gleichzeitig Verkäufer und Kauf-Interessent
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Rewe Austria-Chef Veit Schalle hat am 6. November mit sofortiger Wirkung sein Aufsichtsrats-Mandat in der Staatsholding ÖIAG zurück gelegt. Schalle zog damit die Konsequenzen aus der Diskussion um eine vermutete Unvereinbarkeit seiner Funktion in der ÖIAG und der Austria Industrie Management (AIM).
Vorausgegangen war am Tag zuvor große Aufregung im Rechnungshof-Unterausschuss: Hier hatte sich ÖIAG-Aufsichtsratschef Alfred Heinzel kritisch zu Schalles Verhalten geäußert. "Das gehört sich nicht. Egal, ob man ein halbes oder zwanzig Prozent an dem Unternehmen hält", zitiert das "WirtschaftsBlatt".
Gleichzeitig Verkäufer und Käufer
Über die AIM hatte eine österreichische Investorengruppe um Schalle der ÖIAG ein Angebot für deren 25-prozentigen Anteil an dem Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm gemacht.
Der Clou: Schalle war gleichzeitig seit 17. Mai 2000 Aufsichtsratsmitglied der ÖIAG, sein Mandat wäre erst im Jahr 2005 abgelaufen.
Schalle soll, wie es hieß, den Verbleib im ÖIAG-Kontrollgremium damit gerechtfertigt haben, dass er an der AIM Investorengruppe, die ein Offert für Böhler gelegt hat, nur einen geringen Anteil hält.
SPÖ & Grüne witterten Unvereinbarkeit
Die SPÖ sah in dieser Angelegenheit einen klaren "Fall von Unvereinbarkeit", und sie verwies auf den österreichischen Corporate Governance Kodex, eine Art freiwilligen Ehrenkodex der Wirtschaft, der Nepotismus und Korruption eindämmen soll.
Schalle wurde von der SPÖ die Lektüre des Punktes 44 empfohlen, der da, etwas sperrig, lautet: 'Aufsichtsratsmitglieder dürfen bei ihren Entscheidungen keine eigenen Interessen oder die ihnen nahe stehender Personen oder nahestehender Unternehmen verfolgen, die im Widerspruch zu den Interessen des Unternehmens stehen, oder Geschäftschancen, die dem Unternehmen zustehen, an sich ziehen'."
Dass Schalle als Anteilseigner einer Investmentgruppe, die massives Kaufinteresse habe, gleichzeitig Aufsichtsratsmitglied der Staatsholding ÖIAG sei, war für auch für den Grünen Werner Kogler "ein krasser Fall von wirtschaftspolitischer Unvereinbarkeit".
(apa, red)
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