Mittwoch, 5. November 2003

Einigung bei Handels-KV: Mindestgehälter steigen um 1,9%

  • Bestehende Überzahlungen für die 450.000 Angestellten bleiben aufrecht

Die Mindestgehälter im Handel steigen 2004 um 1,9 Prozent. Das gab die Wirtschaftskammer Österreich Donnerstag Abend nach Abschluss der zwei Tage dauernden Kollektivvertragsverhandlungen in einer Aussendung bekannt. Bestehende Überzahlungen bleiben aufrecht. Nach dem Handels-KV sind derzeit österreichweit rund 450.000 Angestellte beschäftigt.

Gelöst wurde laut Wirtschaftskammer in den zu Ende gegangenen Handels-KV-Verhandlungen auch die Frage der Samstagszuschläge. Demnach wird es künftig einen Zuschlag bis 18 Uhr geben, sagte Felix Hinterwirth, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), der die Gespräche für die Arbeitnehmervertreter-Seite führte. Von Arbeitgeber-Seite saß Alois Wichtl, Obmann des Bundesgremiums Lebensmittelhandel in der Wirtschaftskammer am Verhandlungstisch. Zusätzliche Abschlüsse gebe es im rahmenrechtlichen Bereich des Kollektivvertrags.

Abschluss für beide Seiten positiv
Wichtl bezeichnete den Abschluss als einen, der der schwierigen Lage der Unternehmen im Handel Rechnung trägt, "zumal wir noch einige inhaltliche Erleichterungen für den Arbeitgeber erreicht haben." "Der Abschluss bringt allen Arbeitnehmern eine Reallohnerhöhung und den Arbeitnehmern im Einzelhandel an Samstagen einen Zuschlag bis 18 Uhr", so Hinterwirth.

Zum ersten Termin am 23. Oktober waren die Verhandlungspartner nach rund 7 Stunden ausgesetzt worden, weil die Kluft zwischen dem Angebot der Arbeitgeber und den Forderung der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) zu weit auseinander klaffte.

Die Forderungen
Konkret forderte die Gewerkschaft in der ersten - unterbrochenen - Runde eine Anhebung der KV-Gehälter (bei Beibehaltung der Überzahlung) von 2,7 Prozent mit einem Mindestbetrag von 32 Euro. Zudem soll ein neuer Anlauf für 1.000 Euro Mindestlohn sowie vier zusammenhängende Stunden für Teilzeitbeschäftigte, die im Handel bereits einen Anteil von 40 Prozent haben, genommen werden.

Die Arbeitgeber hatten dagegen zunächst eine Erhöhung der KV-Gehälter um nur 1,05 Prozent geboten haben und forderten von der Gewerkschaft "Augenmaß". Angesichts der schwierigen Situation der Handelsunternehmen sei es legitim, "dass wir nicht nur die Gewerkschaftsforderungen entgegennehmen, sondern auch Forderungen der Unternehmen einbringen".

Ein heißes Eisen bei den Verhandlungen sind diesmal auch die komplizierten Zuschlagsregelungen. Durch die neuen Öffnungszeiten entstand in einigen Bundesländern vor allem durch die Verlängerung am Samstag von 17 auf 18 Uhr eine Art rechtsfreier Raum. Die Arbeitgeber wiederum wollen den arbeitsfreien Samstagnachmittag bzw. die Zuschläge ab 13 Uhr für die Handelsangestellten überhaupt wegverhandeln. Außerdem verlangen sie eine Lockerung der Kündigungs-Bestimmungen für länger gediente Mitarbeiter.
(apa, red)

5.11.2003 16:13