Dienstag, 4. November 2003

Neue Studie belegt: Beruf und Familie sind schwer vereinbar

  • OECD-Untersuchung zu Österreich: Nur ein Viertel aller Mütter in Karenz kehrt in Arbeit zurück

In Österrreich sind Familie und Beruf schwer unter einen Hut zu bringen. Diese Aussage, der viele Berufstätige gefühlsmäßig zustimmen, wird nun von der OECD mit harten Daten bestätigt. Es sei eine bedenkliche Entwicklung, dass jene Mütter, die zur Betreuung ihres Kleinkindes in Karenz sind, zum Großteil nicht mehr an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren, meint die OECD.

Lediglich ein Viertel der Mütter befinde sich nach der Betreuungsphase ihres Kindes beruflich an der Stelle, an der sie vor der Geburt ihres Kindes waren. Das erklärte Christopher Prinz von der Organisation für Wirtschaftliche Zudsammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus Paris bei der Präsentation der Studie "Kinder und Karriere - Vereinbarkeit von Beruf und Familie" gemeinsam mit Familien-Staatssekretärin Ursula Haubner.

Hier müssten Maßnahmen von Seiten der Regierung, aber auch der Arbeitgeber gesetzt werden, um Mütter als Arbeitskräfte zu halten, meinte Prinz.

Sparsam bei Kinderbetreuung
Gebe Österreich auch sehr viel für das Kinderbetreuungsgeld aus, so sei es bezüglich der Kinderbetreuungseinrichtungen im OECD-Vergleich äußerst sparsam. Konkret: In Österreich würden 0,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Kinderbetreuung ausgegeben. In Dänemark sind es 2,1 Prozent.

Das von der Regierung viel gerühmte Kindergeld habe, so Prinz, nicht nur positive Auswirkungen auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zwar gebe es durch das Kindergeld für die Eltern mehr Wahlfreiheit, aber auch für die Mütter größere Anreize, längere Zeit aus dem Beruf auszusteigen.

Das aber wirke sich nachteilig auf die Frauenerwerbsquote aus. Denn nur mehr ein Viertel der Mütter kehre nach der Karenzzeit an ihren alten Arbeitsplatz zurück. Ein weiteres Viertel steige in deutlich schlechtere Jobs ein, und rund die Hälfte der Frauen würden überhaupt länger dem Arbeitsmarkt fern bleiben. Die Karriere der Frauen würde so in den meisten Fällen ein Ende finden.

Handlungsbedarf sieht Prinz für die Regierung: Sie müsse einen Anspruch auch auf qualifizierte Teilzeitarbeit schaffen, das Kindergeld flexibler gestalten sowie Kinderbetreuungs-Einrichtungen für alle Altersgruppen der 0- bis 12-Jährigen schaffen. Auch wenn es sich dabei um eine Länderkompetenz handle, müsste der Bund hier mehr Einfluss nehmen.

Außerdem sollten Anreize für Arbeitgeber geregelt werden, Mütter im Betrieb zu halten.

Für Familien-Staatsekretärin Haubner ist Österreich familienpolitisch jedenfalls am richtigen Weg.
(apa, red)

4.11.2003 13:15