Montag, 3. November 2003

EM 2008: Stadt Klagenfurt baut eigenes EM-Stadion

  • "Frotzelei": Scheucher erteilt deutschem Projekt eine Absage
  • Geplant sind 32.000 Sitzplätze und späterer Rückbau auf 15.000

Die Stadt Klagenfurt wird das für die "Euro 2008" erforderliche Fußball-Stadion selbst errichten. Dies teilte Bürgermeister Harald Scheucher (V) mit. Das von der deutschen Arena AG vorgelegte Projekt sei nicht realisierbar. Die vorgelegten Unterlagen bezeichnete der Bürgermeister wörtlich als "unzumutbar, ja eine Frotzelei." Mit einem derartigen Partner sei "nichts anzufangen", fügte er hinzu.

Scheucher verwies darauf, dass die Arena AG als privater Errichter und Betreiber des "Sport- und Eventparks Klagenfurt" von Staatssekretär Karl Schweitzer, Landeshauptmann Jörg Haider und Vizebürgermeister Mario Canori (alle F) ins Spiel gebracht worden sei. "Wir waren guter Hoffnung, dass das Projekt realisierbar war, wobei der Stadt außer der Bereitstellung baureifer Grundstücke keine weiteren Kosten erwachsen wären", sagte er. "Wir waren aber vorsichtig und haben am eigenen, von der UEFA bereits genehmigten Projekt weiter gefeilt, so dass wir dieses am Donnerstag bei der Inspektion vorlegen können."

Stadion mit 32.000 Sitzplätzen geplant
Das "UEFA-Projekt neu" ist ein Stadion mit 32.000 Sitzplätzen und wird zum Unterschied zum ursprünglichen ebenfalls nördlich des Südringes errichtet. "Es wird kein hohes Stadion und somit keine Doppeldecker-Lösung geben", sagte dazu Projektleiter Manfred Pock. Genügend Parkplätze seien vorhanden. Die Kosten inklusive Verlegung des Stadtgartenamtes bezifferte er mit rund 40 Millionen Euro. In einer zweiten Phase sollen eine Ballspielhalle, die Fußballakademie und Infrastruktureinrichtungen wie Shops geschaffen werden.

Rückbau auf 15.000 Besucher
"Die Kosten werden zu je einem Drittel vom Bund, vom Land und von der Stadt getragen", erläuterte der Bürgermeister. Ihm sei es mittlerweile gelungen, dass die Kosten für den Rückbau von 32.000 auf 15.000 Besucher der Bund übernimmt. Außerdem erhalte die Stadt 50 Prozent aus dem Erlös der verwertbaren Teile (Zahnträger, Sitze usw.) Laut Pock werde es einen Forschungsauftrag geben, aus den Rückbauten von Innsbruck, Salzburg ein oder mehrere neue Stadien zu errichten.

Weil das neue Stadion auf dem Areal des derzeitigen Wörthersee-Stadions errichtet wird, muss der FC Kärnten zwei Saisonen seine Spiele entweder in Villach oder St. Veit/Glan absolvieren. "Das ist zumutbar", stellte Sportstadtrat Dieter Jandl (V) fest.

Schweitzer: Mmultifunktionelle Arena sinnvoller
"Wo das Stadion in Klagenfurt gebaut wird, ist mir völlig egal. Nur hätte ich eine multifunktionelle Anlage für sinnvoller gehalten". Mit diesen Worten reagierte Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer auf die Ankündigung von Scheucher.

Auf internationaler Ebene gehe der Trend eindeutig in Richtung multifunktioneller Stadien, wovon er sich vor kurzem in Gelsenkirchen ("Da hat einen Tag nach einem Auftritt von Robbie Williams Schalke Fußball gespielt") selbst überzeugt hat.

ÖFB-Präsident Friedrich Stickler sah die Lage etwas nüchterner: "Ich freue mich, dass die Situation in Klagenfurt nun geklärt ist und es eine kärntnerische Lösung gibt. Details werden wir im Rahmen der Stadion-Tour erfahren."

Unklarheit über Finanzpartner
Was die von der deutschen Arena AG vorlegten Unterlagen betrifft, übte der Scheucher heftige Kritik an der geforderten Finanzierungszusage. Er verwies darauf, dass die den Unterlagen als "angeschlossen" bezeichnete Erklärung über 82 Millionen Euro des möglichen Finanzpartners HWH International AG in Genf fehle.

Zudem habe die Außenhandelsstelle der Wirtschaftskammer in Zürich festgestellt, dass im Zentralen Handelsregister eine HWH International AG in Genf nicht existiert. Eine Firma gleichen Namens, welche einen weltweiten Handel mit Waren aller Art betreibt, gebe es in Zug. Im Telefonbuch der Schweiz wiederum würde eine HWH International AG in Wettingen aufscheinen.

Appell an SPÖ und FPÖ
"Die Unterlagen sind für mich eine Frechheit", betonte Finanzstadtrat Walter Zwick (V). Für ihn sei schon "vorweg" klar gewesen, dass eine private Firma nicht in der Lage sei, dieses Projekt auf die Beine zu stellen.

Scheucher appellierte an Koalitionspartner FPÖ sowie die an SPÖ, "an einem gemeinsamen Strick zu ziehen, denn wir brauchen jetzt in der Stadionfrage einen Grundkonsens."

"Ich nehme zur Kenntnis, dass die ÖVP auch das zweite private Stadionmodell ablehnt, verstehe aber die Hintergründe nicht", erklärte Vizebürgermeister Mario Canori auf Anfrage. "Ich hätte mit der Arena AG noch gerne alles ausverhandelt." Die FPÖ stehe jedoch zum stadteigenen Projekt. Canori: "Diskutieren wir nicht mehr, sondern bauen wir."

Die SPÖ hatte am 30. September d.J. im Gemeinderat den Antrag gestellt, die Stadt solle selbst das neue Stadion bauen. Doch dafür hatte es damals keine Mehrheit gegeben. Vizebürgermeister Ewald Wiedenbauer jetzt: "Die SPÖ wird sich verweigern. Aber die Verantwortung für ein mögliches finanzielle Fiasko liegt bei der Koalition."

Haider: "Bürgermeister soll die Stadt selbst bauen"
"Wenn der Bürgermeister der Ansicht ist, dass es mit der Arena AG nicht geht, dann soll die Stadt selbst bauen", erklärte Landeshauptmann Jörg Haider (F). "Doch bisher ist jede Variante an seinem eigenen Finanzreferenten gescheitert. Daher warte ich schon gespannt auf Alternativen." Das Land jedenfalls stehe zur Drittelfinanzierung, doch müsse diese Maastricht-konform sein. Haider verwies auch darauf, dass es für die Übernahme von Rückbaukosten durch den Bund zwar einen Vertragsentwurf, aber noch keine politische Entscheidung gebe.

Weggang des FC Kärnten nicht ausgeschlossen
Was den FC Kärnten betrifft, meinte der Landeshauptmann in seiner Eigenschaft als Präsident, dass "wir uns erst überlegen müssen, wie wir vorgehen werden". Wie die Stadt mit dem Verein umgehe, sei nicht tragbar. Haider schließt es daher nicht aus, dass der FCK "auf Dauer wo anders hingeht", vor allem mit der Fußballakademie und dem Trainingszentrum. (apa/red)

3.11.2003 12:36