Sonntag, 9. November 2003

Französische Le Monde attackiert Berlusconi: "Eine Schande für Europa"

  • Harsche Kritik an Verteidigung von Putins Tschetschenien-Politik

Der italienische Ministerpräsident Berlusconi ist nach Ansicht der Pariser Tageszeitung "Le Monde" "eine Schande für Europa". Der italienische Regierungschef vertrete nicht die Haltung der Länder der Union. Anlass für die harsche Kritik ist Berlusconis Verteidigung der Tschetschenien-Politik des russischen Präsidenten Putin auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag.

"Die Haltungen, die er vertritt, beschämen uns. Es ist daher an der Zeit, das System zu ändern, um zu verhindern, dass die Europäer von jemandem vertreten werden, dessen demokratische Legitimität in Italien nicht bestritten werden kann, aber der nicht im Namen aller sprechen kann", schreibt das linksliberale Blatt in einem Kommentar.

Die Tageszeitung wirft dem italienischen Regierungschef vor, bei der Pressekonferenz mit Putin am Donnerstag in Rom "dem russischen Präsidenten zu Hilfe geeilt zu sein, obwohl dieser durch die Brutalität und Vulgarität seiner Antworten unübertreffbar schien". Berlusconi hatte den Medien vorgeworfen, in Bezug auf die Situation in Tschetschenien "Legenden zu kolportieren".

"Seinerseits antwortet Wladimir Putin auf die störenden Fragen einzig durch Beschimpfungen der Journalisten", schreibt "Le Monde" zu den heftigen Angriffen des russischen Präsidenten gegen einen Journalisten der Pariser Zeitung. "Man hat Ihnen einen Auftrag gegeben, und Sie müssen Ihr Geld rechtfertigen", erwiderte Putin auf eine Frage des Journalisten über die Inhaftierung des Milliardärs Michail Chodorowski, Ex-Chef des Ölkonzerns Yukos.

(apa)

9.11.2003 11:16