Sonntag, 9. November 2003

Präsidentenwahl in Guatemala: Oppositionskandidat klar in Führung

  • Dennoch Stichwahl am 28. Dezember

Bei den Präsidentenwahlen in Guatemala liegt die Opposition nach ersten Teilergebnissen klar in Führung. Nach Auszählung von knapp 10 Prozent der Stimmen kam der konservative frühere Bürgermeister von Guatemala-Stadt, Oscar Berger, Fernsehsendern zufolge auf einen Stimmenanteil von 30,6 Prozent.

Der Sozialdemokrat Alvaro Colom erreichte 23,2 Prozent und der frühere Diktator Efrain Rios Montt als Kandidat der regierenden Guatemaltekische Revolutionäre Front (FRG) 17,9 Prozent. Sollte sich der Trend bestätigen, würden Berger und Colom am 28. Dezember in einer Stichwahl gegeneinander antreten.

Laut anderen Angaben kann Berger sogar mit über 42 Prozent rechnen. Colom folgt demnach mit 27 Prozent und kann sich Berger am 28. Dezember in einer Stichwahl stellen. Rios Montt kam diesen Befragungen zufolge nur auf 14,7 Prozent. Für die Erhebung wurden knapp 1300 Wähler vor 68 zufällig ausgewählten Wahllokalen befragt. Der Fehlerspielraum lag laut "El Periodico" bei 3,8 Prozent.

Der Chef der EU-Wahlbeobachter-Mission, Janis Sakellariou, sprach in einer ersten Stellungnahme von sauberen Wahlen und einer "sehr engagierten Wahlbeteiligung". Es habe allerdings erhebliche Organisationsprobleme gegeben. Viele Wähler hätten deshalb stundenlang vor den Wahllokalen anstehen müssen. Das Wichtigste sei, dass es keinen der befürchteten Gewaltausbrüche gegeben habe.

Die Schließung der Wahllokale hatte sich am Sonntag wegen des großen Ansturms und organisatorischer Probleme verzögert. Die Wahlbehörden bestätigten, dass zwei Frauen in einem Dorf in der nordwestlichen Provinz Quiche vor einem Wahllokal zu Tode gedrückt wurden, als im Gedränge der Menge Panik ausbrach. In der Nacht zum Sonntag war ein zu Coloms Partei gehörender Kandidat für ein Abgeordnetenmandat niedergeschossen und schwer verletzt worden.

(apa)

9.11.2003 07:46