Aachen: Prozess gegen Kindermörder hat begonnen
- Tom (11) und Sonja (9) wurden im Frühjahr brutal ermordet
- Lynchjustiz befürchtet: Angeklagte hinter Panzerglas!
Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen begann Anfang November der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Mörder der Geschwister Tom und Sonja aus dem deutschen Eschweiler (Nordrhein-Westfalen). Gleich am ersten Tag kamen neue schockierende Details ans Licht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde die neunjährige Sonja gefesselt und mit verbundenen Augen abwechselnd von ihren Peinigern sexuell missbraucht.
Der 33-jährige Markus Lewendel und der 28 Jahre alte Markus Wirtz werden beschuldigt, die Geschwister aus Eschweiler (Nordrhein-Westfalen) entführt, das Mädchen vergewaltigt und beide erwürgt zu haben. "Die Beschuldigten haben eine besonders schwere Schuld auf sich geladen", sagte Oberstaatsanwalt Albert Balke vor dem Landgericht Aachen.
Lewendel bekräftigte über eine Erklärung seines Anwalts sein Geständnis. Er und Wirtz hatten in den Vernehmungen der Polizei die Tat gestanden. Sieben Monate nach dem Verbrechen müssen sie sich wegen gemeinschaftlichen Mordes, Freiheitsberaubung mit Todesfolge und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten. Bei der Verlesung der Anklage kämpfte Wirtz vergeblich gegen seine Tränen. Lewendel hörte regungslos mit gesenktem Kopf zu.
Angeklagte hinter Panzerglas
Der Prozess begann unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen. Die Angeklagten saßen hinter Panzerglas. Die Eltern der ermordeten Kinder sind Nebenkläger, nahmen aber nicht an der Verhandlung teil.
Erschütternde Tat
Oberstaatsanwalt Balke rekonstruierte in der Anklage die erschütternden Ereignisse des 30. März. Der Gebäudereiniger Lewendel und der Industrieelektroniker Wirtz hätten die Tat geplant. Die beiden pädophil veranlagten Männer hätten bei einer Fahrt durch Eschweiler "Ausschau nach jungen Mädchen" gehalten. Als sie die spielenden Kinder auf der alten Kohlenhalde entdeckten, habe Lewendel ihnen zugerufen: "Halt, Polizei, stehen bleiben!"
Erster Mord an Bruder
Im Gespräch hätten sie die Geschwister plötzlich mit einem Kabel gefesselt und ihnen den Mund zugeklebt. Wirtz habe versucht, Sonja zu vergewaltigen. Mit der Absicht, das Mädchen über einen längeren Zeitraum sexuell zu missbrauchen, hätten die Männer ihre Opfer zu ihrem Wohnhaus in Eschweiler gebracht. Da der elfjährige Tom bei ihren Plänen gestört hätte, beschlossen sie laut Anklage, den Buben zu töten.
Sonjas Martyrium
Wirtz habe Tom im Kofferraum zu einem Waldparkplatz gebracht und ihm ein Plastiksackerl über den Kopf gezogen. "Der Angeklagte Wirtz drückte mit beiden Händen zu, bis der Tod eintrat", sagte Balke. Bis zum nächsten Tag hätten die Männer das total verängstigte und orientierungslose Mädchen in ihren Wohnungen sexuell missbraucht.
Mädchen wurde erwürgt
Aus Sorge, entdeckt zu werden, hätten die Männer im Laufe des Tages beschlossen, auch Sonja zu töten. Auf einem Waldweg in der Eifel habe Lewendel das Mädchen mit einem Plastiksackerl und einer Schnur erdrosseln wollen. "Da sich Sonja heftig wehrte, kam der Angeklagte Wirtz dem Angeklagten Lewendel zur Hilfe, indem er mit beiden Händen den Hals des Mädchen umfasste und zudrückte, bis der Tod eintrat", sagte Balke. Die Leiche war knapp eine Woche später entdeckt worden.
Rechtsextreme fordern Todesstrafe
Etwa 40 Anhänger der rechtsextremistischen NPD demonstrierten nach Polizeiangaben zum Prozessauftakt in Aachen für die Einführung der Todesstrafe. 170 Menschen protestierten gegen den Aufmarsch der Extremisten. Es gab keine Zwischenfälle. (APA/red)
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