Samstag, 8. November 2003

Schönborn: Aufklärung von Missbrauch in der Kirche

  • "Jeder Vorwurf oder Hinweis muss ernst genommen werden"

"Wo es in der Kirche zu Missbrauch gekommen ist oder Verdacht auf Missbrauch besteht, muss es vorbehaltlose Aufklärung, umgehende Hilfe für Opfer und angemessene Konsequenzen für Missbrauchstäter geben". Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn in einer Erklärung anlässlich eines Informationstages der unabhängigen Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer sexuellen Missbrauchs.

Jeder Vorwurf oder Hinweis auf Missbrauch müsse ernst genommen werden, stellt der Wiener Erzbischof fest. Das sei nicht nur im Interesse der Opfer, sondern auch im Interesse derer, die sich möglicherweise falschen Beschuldigungen ausgesetzt sehen. In der ganzen Kirche seien "Aufmerksamkeit und Mut" notwendig, "an der Aufdeckung von Missbrauch und an der Vermeidung weiterer Missbrauchsgefahr mitzuwirken".

Häufig werde auf Aussagen oder Hinweise von Opfern von Teilen der Bevölkerung aggressiv und mit "Gegenbeschuldigungen" reagiert, zumal die Täter oft "angesehene und allgemein geschätzte" Persönlichkeiten seien, stellte der Kardinal fest. Im ersten Moment wolle man nicht wahrhaben, "was geschehen sein kann", und stelle die Aufdecker eines Missbrauchs als "Verleumder" hin. Damit werde aber ein Klima der Angst vor der Aufdeckung erzeugt. Meistens führe das auch zu tiefen Spaltungen der Gemeinschaft.

Auf der Grundlage der Erfahrungen der Ombudsstelle habe Schönborn nach eingehender Beratung mit Fachleuten einen Maßnahmenkatalog zur "möglichst wirksamen Vorbeugung von sexuellem Missbrauch" erstellen lassen. Die Maßnahmen umfassen eine möglichst breite Information der Pfarren und kirchlichen Gemeinschaften, besondere Sorgfalt bei der Auswahl der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter, verstärkte Aufmerksamkeit für die Fragen der persönlichen und sexuellen Reife in den Ausbildungsvorgängen.

(apa)

8.11.2003 14:17