Pogrom-Gedenken: Jüdisches Treffen in Wien gestürmt
- Angreifer sind antizionistischem Spektrum zuzurechnen
Die Gedenkkundgebung an die Zerstörung der Synagoge in der Zirkusgasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk am 11. November 1938 durch die Nationalsozialisten ist am späten Sonntagnachmittag von einer Gruppe angegriffen worden. Laut Angaben der Kundgebungsveranstalter sind die Attentäter dem antizionistischen Spektrum zuzurechnen.
Während der Rede des Psychologen Alexander Friedmann, Mitglied des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde, stürmten etwa 10 Personen mit palästinensischen Fahnen in die Zirkusgasse und störten das Gedenken an die Opfer mit Parolen gegen Israel und die USA. An der Kundgebung, deren Redner und Rednerinnen ihre Solidarität mit den jüdischen Gemeinden und Israel erklärten, nahmen nach Angaben der Veranstalter etwa 200 Personen teil.
"Die Personen, die die Kundgebung angegriffen haben, sind von den Kundgebungsteilnehmern abgedrängt und vertrieben worden", hieß es von Seiten des Anmelders der Veranstaltung. Die Polizei habe sich zunächst darauf beschränkt die beiden Seiten zu trennen.
Beamte des Verfassungsschutzes nahmen in der Folge einen mutmaßlichen Beteiligten an der Störaktion fest. Nach Angaben der Polizeidirektion Wien befand er sich am Abend wieder auf freiem Fuß. Über genauere politische Hintergründe der Angreifer gab es noch keine Auskunft. "Nach einem neonazistischem Hintergrund schaut es eher nicht aus", hieß es gegenüber der APA.
In der Zirkusgasse 22 bestand bis zu ihrer Zerstörung und Plünderung durch die Nationalsozialisten am 10. November 1938 eine Synagoge der türkisch-jüdischen Gemeinde, die 1736 gegründet wurde. Insgesamt wurden in Wien 42 Synagogen zerstört, 27 Juden wurden bei den Pogromen getötet, 88 schwer verletzt. (APA)
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