Mittwoch, 5. November 2003

Stadt Wien verleiht Nitsch hohe Auszeichnung: FPÖ zeigt sich empört

  • "Werte der christlichen Kultur pervertiert"
  • Freiheitliche kritisieren ÖVP für Zustimmung

Eine hohe Auszeichnung der Stadt Wien für Hermann Nitsch sorgt für gehörige Aufregung: Am Dienstag beschloss der Gemeinderat die Verleihung der "Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold" an den umstrittenen Künstler. Die Wiener FPÖ läuft gegen diese Entscheidung Sturm. Nitsch habe religiöse, ethische und moralische Werte der christlichen Kultur pervertiert und diese Provokation zur Kunst erklärt, kritisierte die Kultursprecherin der Wiener Freiheitlichen, Heidemarie Unterreiner.

Unterreiner stößt sich vor allem an sexuell aufgeladenen Passagen aus Nitschs Drama "Die Eroberung von Jerusalem", in denen etwa die Leichenschändung eines neunjährigen Mädchens geschildert oder Christus als Schlächter und Sodomist dargestellt wird. "Sich hier auf die Freiheit der Kunst zu berufen ist falsch, denn es gibt Grenzen in der Freiheit der Kunst. Wenn Nitsch sich nicht selbst diese Grenzen setzt, muss das die Gesellschaft tun, denn der grenzenlose und tabulose Freiheitsbegriff in der Kunst führt in einer Abwärtsspirale ins Nichts. Es gibt dann nichts mehr, was in unserer Gesellschaft achtenswert, ehrenswert und heilig ist", erklärte Unterreiner.

Kritik auch an ÖVP
Wer eine hohe Auszeichnung erhalte oder verleihe, sollte das, was anderen Menschen heilig sei, nicht besudeln, fordert die FPÖ-Kultursprecherin. Die höchsten Repräsentanten des jüdischen und islamischen Glaubens würden sich vehement dagegen verwehren, wenn ihre religiösen Symbole in den Schmutz gezogen würden, während die offiziellen Kirchenvertreter der christlichen Glaubensgemeinschaften zu oft schwiegen. Dass die Wiener ÖVP als christliche Partei einer hohen Ehrung für Nitsch die Zustimmung erteile, sei völlig unverständlich. Selbst Künstler wie Arik Brauer oder Friedensreich Hundertwasser würden Blasphemie als Grenze der Freiheit der Kunst respektieren.

(apa/red)

5.11.2003 15:33